Der Eiskargletscher

Einfach eine Faszination!

Alles über den südlichsten Gletscher Österreichs:

Der Eiskargletscher, Österreichs südlichster Gletscher, liegt in den Karnischen Alpen eingebettet in einem Kar der Kellerwand zwischen 2115m und 2370m Seehöhe. Die schattige Lage, große Niederschlagsmengen in fester Form im Winterhalbjahr sowie große Lawinen, die aus der Kellerwand auf den Gletscher niedergehen, sind die Gunstmomente des Eiskars und tragen dazu bei, dass sich dieser Gletscher so lange in solch geringer Höhe halten konnte.

 

Seit 1992 ist das Eiskar Teil des Gletschermessprogramms des ÖAV und wird seither jährlich in Bezug auf die Längenänderung vermessen.

Der Gletscher ist rund 16ha groß, zeigt aber in Folge schneearmer Winter und heißer Sommer in den letzten 20 Jahren starke Zerfallserscheinungen. Nach den teils noch schneereichen 1980ern überdauerte in den 1990ern kaum Schnee am Gletscher, wodurch eine Phase rasanter Gletscherschmelze eingeläutet wurde, welche bis zum Jahr 2007 andauerte.

 

In den vergangenen 10 Jahren stechen manche Jahre aber auch positiv hervor, so konnte das Verhalten des Gletschers in den Haushaltsjahren 2000/01, 2003/04 und 2007/08, 2008/09, 2009/10 sowie 2010/11 als stationär bezeichnet werden. Besonders die Stagnation des Längen- und Massenrückgangs in den letzten vier Jahren ist sehr erfreulich, da dies (4 Jahre in Folge mit zumindest neutraler oder nur leicht negativer Massenbilanz) das erste Mal seit dem Beginn der jährlichen Messungen der Fall war.

Der letzte Gletschervorstoß wurde im Eiskar Ende der 1970er Jahre gemessen. Damals wurden die sporadischen Messungen noch von Lehrenden der Universität Graz durchgeführt.

Die folgenden Bilder stammen von einer Begehung am 30. bzw. 31. Mai 2004:

Kurze Schiabfahrt über den Eiskargletscher
Der östliche Teil des Eiskars
Morgenstimmung

Über eine kleine Klettertour ging es  am 31.05.2004 auf den so genannten Kunzkopf (2298m), von wo aus man einen sehr schönen Blick hinunter auf die Gletscherzunge hat.

Blick vom Kunzkopf hinunter auf das Eiskar. Im Jahr 2004 lag der Schnee Ende Mai in diesem Teil des Gletschers noch bis 14m hoch

Im September 2004 war der gesamte Gletscher mit Altschnee bedeckt, leider ließ der Winter 2004/ 05 wieder total aus. Kaum Herbstschneefälle, starker Wind und ein sehr trockenes Frühjahr sorgten dafür, dass beinahe die gesamte Firnbedeckung vom vorangegangenen Jahr abschmolz und der Gletscher  bei der Messung im September 2005 einen traurigen Anblick bot.

Ein Bild vom Eiskargletscher: der östliche Teil des Gletschers am 7.9.2005

Die Haushaltsjahre 2005/06 und 2006/07 brachten deutliche Massen- und Längenverluste. Umso erfreulicher waren die darauffolgenden vier Jahren; im Herbst 2008 waren die Zunge sowie Teile des Eisscheitels mit Altschnee bedeckt. Im Herbst 2009 zeigten sich am Gletscher keine Blankeisstellen und in der Zunge sowie am Eisscheitel lag eine dicke Altschneedecke über der Firnschicht des Vorjahres. Auch am Wandfuß überdauerte eine bis zu 5m mächtige Altschneedecke auf einem dünnen Firnsaum.

Im Herbst 2010 war bei der Messung Anfang September kein Blankeis zu sehen. Die Ausdehung der Schnee- bzw. Firnbedeckung blieb aber etwas unter jener von 2009 zurück, was nicht zuletzt auf den ausgesprochen heißen Juli sowie das schneearme Frühjahr zurückzuführen war.

Die Messungen im September 2011 zeigten ein ähnliches Bild wie im Jahr davor. Während im Bereich des Eisscheitels jedoch markant weniger Schnee liegt als im Herbst 2010, konnte sich in den eigentlichen Nährbereichen des Gletschers mehr Altschnee halten.

Der Eiskargletscher am 4.9.2010, im Vergleich zum Jahr 2005 ist kein nennenswerter Massenunterschied erkennbar. Die Schneebedeckung im Jahr 2010 war aber deutlich besser!

Die starke Schuttbedeckung (sowie die Hoffnung auf schneereiche Winter) ist die letzte Rettung für dieses Kleinod. In den Hohlräumen zwischen den Steinen hält sich kalte Luft und kühlt somit die Oberfläche des Gletschers.

 

Wie lange das Eiskar noch den Status eines Gletscher beibehalten kann, wird die Zukunft weisen.

Im Jahr 2007 war der Ansatz der Gletscherzunge nur mehr rund 25m breit und ein Abreißen der Zunge wäre wohl der endgültige Anfang vom Ende für diesen Kargletscher. In den letzten 4 Jahren konnte sich im Bereich des Zungenansatzes aber eine mächtige Firnschicht bilden, welche das Abreißen der Gletscherzunge zumindest vorübergehend verhindert hat.

Eis wird es im eisigen Kar in der Kellerwand aber noch viele Jahre geben, denn wie die ersten Auswertungen einer Eisdickenmessung im Juli 2010 zeigen, beträgt die Eisdecke noch verbreitet 25 bis 30m, an den dicksten Stellen sind es sogar knapp 40m.