Hochalmspitze 3360m

1600- 2000 Höhenmeter (schwer)

Viele Wege führen auf die Hochalmspitze. Anbei sollen 2 Varianten beschrieben werden:

  1. Aufstieg vom Gössspeicher über die Gießenerhütte und den Detmolder Grat
  2. Aufstieg aus dem Maltatal auf schmalen unbekannten Steigen

 

Variante 1:

Juli 2002 und Ende Juni 2004

Mit dem PKW gelangt man über Gmünd und das Maltatal in den Gössgraben und weiter bis zum Parkplatz (~1670m) unterhalb des Gössspeichers. Von dort geht es zu Beginn am Fuße des Speichers vorbei über den Fahrweg hinauf Richtung Gießener Hütte (Wegweiser). Nach der zweiten Doppelkehre zweigt ein Steig vom Forstweg nach links (Norden) ab, welcher zuerst nach Nordosten und dann nach Nordwesten führt und über welchen man schließlich (nach mehreren Wegquerungen) die Gießener Hütte (2202m) erreicht. Von dort wandert man nach Norden aufwärts Richtung Hochalmspitze bis zu einer Weggabel in rund 2360m. Hier hält sich der Bergsteiger links und folgt dem Steig mehrere Bäche querend bis zu einem Wegweiser in ca. 2660m, wo man sich rechts hält und zur Winkelscharte (2856m) aufsteigt. Von der Scharte weg geht es durch Blockgelände nach rechts (Nordosten) aufwärts zu einem Sattel über dem Trippkees. Nun heißt es zum Gletscher absteigen um über diesen zum Einstieg des versicherten Steiges zu gelangen. An Stahlseilen gesichert geht es rasch höher, bis man schließlich nach einer Querung mit losem Gestein und einem letzten Aufschwung direkt auf den Gipfel gelangt.

Der Abstieg erfolgt zunächst sehr ausgesetzt am Grat nach Osten zur schneeigen Hochalm und dann einfach weiter auf einem breiten Rücken abwärts Richtung Südosten, auf der einen Seite das Hochalmkees auf der anderen Seite die Abbrüche hinunter zum Trippkees. In 3125m erreicht man einen Sattel am Fuße der Steinernen Mandl. Hier wendet sich der Bergsteiger nach rechts (Süden) und steigt an Stahlseilen gesichert über eine Felsstufe zu einem steilen Firnfeld ab. Über dieses geht es abwärts bis man das Gletschervorfeld des Trippkees erreicht. Nun am schön markierten Rudolfstädter Weg zur Gießener Hütte und weiter zurück zum Parkplatz beim Gössspeicher.

 

Der Aufstieg über das Trippkees und den Detmolder Grat erfordert sicheres Verhalten in Fels und Eis. Das Trippkees weist einige sehr große Spalten auf, welche im Sommer besonders nach schneearmen Wintern oft nur von dünnen Schneebrücken überdeckt sind. Der Wirt auf der Gießener Hütte weiß über die aktuellen Verhältnisse Bescheid; fragen zahlt sich aus! Am Übergang zwischen Eis und Fels am Einstieg des Klettersteiges bilden sich oft ein schwierig zu überwindender Bergschrund bzw. eine große Randkluft. Zu Sommerbeginn können im Klettersteig einige Sicherungen auch noch unter Schnee und Eis liegen. Beim Abstieg gilt es im Fels- und Firnbereich unter den Steinernen Mandl Vorsicht walten zu lassen. Für diese Aufstiegsvariante sind neben Seil, Pickel, Steigeisen und Helm auch ein Klettersteigset notwendig.

Bei passenden Verhältnissen stellt diese Route eine herrliche und unvergessliche Überschreitung der Hochalmspitze dar. Mit ca. 1600 Höhenmetern ist diese Tour für konditionsstarke und erfahrene Alpinisten auch ohne Probleme an einem Tag durchführbar (gute Verhältnisse vorausgesetzt).

 

Variante 2:

26.8.2010

Mit dem Auto fährt man über die mautpflichtige Malta Hochalpenstraßen bis zu einem kleinen Parkplatz (~1520m, linker Hand) an der Abzweigung zur Kattowitzer Hütte. Nun folgt man wenige Meter der Straße, ehe in der ersten Rechtskurve ein Steig hinunter zur Malta abzweigt. Über eine Brücke gelangt der Bergsteiger auf einen markierten Wanderweg, welchem er kurz talaus folgt, bis eine unscheinbare Weggabel erreicht wird. Den markierten Steig verlassend steigt man über einen schönen aber steilen Jägersteig aufwärts zur Aichholzerhütte (1803m). Bei der Hütte heißt es aufpassen, der Weiterweg führt hinter (südlich) der Hütte (nicht nach links queren!) wieder steil hinauf in den Wald und durch diesen bis in freies Gelände (~1960m). Auf Steigspuren wandert man nun über sanfte Hänge durch den Aichholzerkessel höher, bis man einen formschönen Rücken über (nördlich) des Keesbach erreicht, wo sich die Steigspuren endgültig verlieren. Jetzt gilt es weglos der Höhe entlang nach Westen zum Bach zu queren und von dort nach Süden hinauf zu einem markanten Felsblock aufzusteigen. Dieser liegt knapp über dem Preimlsee (2401m), welcher in weiterer Folge an seiner Westseite umgangen wird. Nun durch ein Schuttkar nach Süden aufwärts bis zu den vom Gletscher glatt geschliffenen Felsen. Über diese Felsen gelangt man schließlich zu einer weiteren Verebnung mit mehreren kleinen Seen. Je nach Wasserstand kann man direkt zur Gletscherzunge wandern, oder muss die Seen an ihrer Westseite umgehen. Ab nun geht es über den Gletscher aufwärts, wobei sich der Alpinist zunächst im rechten Zungenteil bewegt. In etwa 2800m erreicht man nach Durchquerung einer schmalen Spaltenzone den großen Gletscherboden des Hochalmkees. Je nach Schneelage geht es nun Richtung Süden bzw. Südwesten höher. Unter den Steinern Mandl gilt es in einer weiteren deutlich größeren Spaltenzone besondere Vorsicht walten zu lassen. Entweder verlässt man den Gletscher knapp unter den Steinernen Mandl oder man hält sich beim Aufstieg etwas weiter westlich zu einer markanten Felsinsel hin und erreicht so über ein steiles Firn- bzw. Eisfeld den Grat, welcher von den Steinernen Mandl zur Hochalm hinauf zieht. Auf diesem geht es dann die letzten Höhenmeter zum Gipfel, wobei der Gipfelaufbau ausgesprochen ausgesetzt ist und man die Hände zu Hilfe nehmen muss.

Der Abstieg erfolgt über die Aufstiegsroute.

 

Diese Variante ist mit insgesamt knapp über 2000 Höhenmetern im Aufstieg wohl einer der längsten Hochalmanstieg (außer man steigt von der Malta Hochalmstraße über die Hochalm- und Villacher Hütte auf). Die Route verläuft bis auf die letzten Meter zum Gipfel ausschließlich auf nicht markierten Steigen bzw. teilweise überhaupt weglos. Für die Gletscherquerung ist aufgrund der Spaltenzonen die Mitnahme eines Seils anzuraten. Nur nach schneearmen Winter und heißen Sommer (z.B. 2003 oder 2010) apert bis zum Sommerende beinahe der gesamte Gletscher aus, sodass eine Begehung ohne Seil für erfahrene Alpinisten möglich ist.

Landschaftlich ist dieser Anstieg überaus reizvoll, da man sich fernab von Wanderwegen in absoluter Einsamkeit bewegt. Das Fehlen von Markierungen oder Steigspuren stellt bei dieser Route aber besonders bei schlechter Sicht eine große Gefahr dar. Deshalb sollte man sich hier nur bei ganztägig schönem und sicherem Wetter bewegen, denn für die gesamte Tour sollte man 11- 12h einplanen.

 

In Kärnten gibt es kaum einen Gipfel, von dem aus man nicht die Hochalmspitze sieht. Dementsprechend verhält es sich auch vom höchsten Punkt der Tauernkönigin aus. Kaum ein Gipfel der Südalpen kann sich vor ihr verstecken; die Aussicht reicht von den Steiner- über die Julischen und Karnischen Alpen bis zu den Dolomiten im Süden. Im Norden sind es neben den Hohen Tauern die Gipfel der Nordalpen zwischen Wildem Kaiser und Dachstein, welche der Gipfelstürmer von der Hochalm aus erblickt.

 

 

Fotos von der Aufstiegsroute über die Gießener Hütte. Die Fotos 1 und 2 entstanden bei einer Wanderung am 3.8.2010, die übrigen 3 Fotos wurden am 26.8.2010 aufgenommen.

Die Gießener Hütte, im Hintergrund das Trippkees
Die Gießener Hütte, im Hintergrund das Trippkees
Eine der zahlreichen Bachquerungen
Eine der zahlreichen Bachquerungen
Tiefblick hinunter zum Trippkees mit seinen gewaltigen Spalten, die Aufstiegsroute führt entlang des rechten Bildrandes
Tiefblick hinunter zum Trippkees mit seinen gewaltigen Spalten, die Aufstiegsroute führt entlang des rechten Bildrandes
Am breiten Grat hinunter zu den Steinernen Mandl, im Hintergrund die Nockberge
Am breiten Grat hinunter zu den Steinernen Mandl, im Hintergrund die Nockberge
Die Abstiegsroute führt im linken Bildteil vorbei an den beiden Seen zur Gießener Hütte und zurück zum Speicher
Die Abstiegsroute führt im linken Bildteil vorbei an den beiden Seen zur Gießener Hütte und zurück zum Speicher

 

Fotos von der Aufstiegsroute aus dem Maltatal. Alle Fotos wurden am 26.8.2010 aufgenommen.

Bei der Aichholzer Hütte
Bei der Aichholzer Hütte
Über schönes Gelände geht es meist weglos höher
Über schönes Gelände geht es meist weglos höher
Der markante Stein knapp nördlich des Preilmsee, welcher als Orientierungspunkt dient
Der markante Stein knapp nördlich des Preilmsee, welcher als Orientierungspunkt dient
Herrlich geschliffene Felsen
Herrlich geschliffene Felsen
Beim Aufstieg über die Felsenstufe der Blick zurück zm Preimlsee
Beim Aufstieg über die Felsenstufe der Blick zurück zm Preimlsee
Die Zunge des Hochalmkess, über den rechten Teil geht es aufwärts
Die Zunge des Hochalmkess, über den rechten Teil geht es aufwärts
Die ersten Spaltenzone am unteren Rand des Gletscherbodens
Die ersten Spaltenzone am unteren Rand des Gletscherbodens
Die letzten Meter hinauf zum Grat, in der Bildmitte die markante Felsinsel
Die letzten Meter hinauf zum Grat, in der Bildmitte die markante Felsinsel
Die letzten 100 Höhenmeter zum Gipfel
Die letzten 100 Höhenmeter zum Gipfel
König Glockner
König Glockner
Im Norden der Dachstein
Im Norden der Dachstein
Im Südwesten grüßen die Kreuzeckgruppe und im Hintergrund die Karnischen Alpen und die Lienzer Dolommiten
Im Südwesten grüßen die Kreuzeckgruppe und im Hintergrund die Karnischen Alpen und die Lienzer Dolommiten
Blick über das Gööskar in die Reißeckgruppe
Blick über das Gööskar in die Reißeckgruppe
Der Ankogel
Der Ankogel
Ein Gipfelfoto muss sein, im Hintergrund die Goldbgergruppe
Ein Gipfelfoto muss sein, im Hintergrund die Goldbgergruppe
Abstieg am Gletscher
Abstieg am Gletscher
In der oberen Spaltenzone, mit dem Tourengebiet um die Faschaun im Hintergrund
In der oberen Spaltenzone, mit dem Tourengebiet um die Faschaun im Hintergrund
Am 26.8.2010 gab es unzählige Schmelzwasserbäche am Gletscher
Am 26.8.2010 gab es unzählige Schmelzwasserbäche am Gletscher
Beim Abstieg unterm Preimlsee
Beim Abstieg unterm Preimlsee