Monte Canin/ Kanin 2587m

~850 bis 1100m (jeweils mit Gondelaufstieg, schwer)

16.8.2011

Mit dem Auto geht es auf den Sella Nevea und dort zum Parkplatz bei der alten Gondeltalstation (1122m).

Ganz motivierte Bergsteiger können über die Schipiste aufsteigen (nicht empfehlenswert), für alle anderen bietet sich die Möglichkeit zum wirklichen fairen Preis von € 8 (Bergfahrt) oder € 10 (Berg- und Talfahrt), Stand Sommer 2011, mit der neuen Gondel hinauf zum Rifugio Gilberti zu fahren.

Die Gondeltalstation erreicht man vom Parkplatz, indem man auf der Passstraße bis zur ersten Kehre abwärts geht und von dort links der Forststraße hinunter zur Gondelstation folgt.

Von der Bergstation der Gondel geht es nach rechts weg am Weg Nr. 632. Während die ersten Meter gemütlich sind, wird der Weg hinauf zum Sella Bila Pec (2005m) mit der Zeit immer steiler. Vom Sattel folgt man einem alten Steig, welcher etwa der Höhe entlang nach rechts (Südwesten) zieht. Schließlich erreicht man in 2018m eine Wegkreuzung, wo sich der Wanderer links hält (Monte Canin, Ghiacciaio Canin). Jetzt geht es mühsam auf einem steilen Schottersteig hinauf zur Moräne des einst mächtigen Kaningletschers. Heute sind vom Gletscher nur mehr wenige Schnee- bzw. Eisfelder übrig. Von der Moräne zieht der nun mit Steinmännchen markierte Weg nach Süden Richtung Wandfuß höher, wobei man auch (sofern noch vorhanden) über Schneefelder aufsteigen kann. In etwa 2200m hält man sich leicht links und steigt nun auf einer Felsrippe aufwärts. Als Ziel sollte der Bergsteiger die höchsten Schneefelder in einer breiten Rinne ansteuern. Nach schneereichen Winter kann es sein, dass die letzten Meter zum Beginn des Klettersteigs sehr steil sind. Bei Schneearmut überwindet man die ersten steilen felsigen Passagen mit der Hilfe von Stahlketten. Der Klettersteig Via Julia ist mit C zu bewerten. Vielfach geht es in recht direkter Linie höher, nur zwischendurch gibt es kürzere flache Passagen, in welchen man sich etwas erholen kann. Die gesamte Via Ferrata ist perfekt mit Stahlseilen versichert, an einzelnen Stellen finden sich auch Trittbügel. Schließlich gelangt man nach einem letzten Aufschwung direkt auf den langen Ostgrat des Kaninzugs. Hier nach rechts und entlang der Markierungen  meist in unmittelbarer Gratnähe die letzten Höhenmeter auf den Gipfel. An einzelnen Stellen muss man nochmals die Hände zu Hilfe nehmen.

Für den Abstieg gibt es mehrere Möglichkeiten. Einerseits bietet sich der Klettersteig Via Ferrata Divisione Julia, wie er mit ganzem Namen heißt, an, andererseits kann man auch über den Bänderweg zurück hinunter zum Kaningletscher klettern. Dieser Steig zweigt ebenfalls vom Ostgrat des Kaninzuges nach Norden hin ab, jedoch etwas östlich von der Via Julia. Der Bänderweg ist aber nur teilweise versichert (Stand 2011) und sehr ausgesetzt. Wie der Name schon sagt, verläuft er über Bänder abwärts, wobei auf diesen teils loses Gestein liegt, was den Abstieg nochmals unangenehmer gestaltet. Der Bänderweg trifft am „Gletscherrand“ auf die Via Julia. Der restliche Abstieg erfolgt über die Zustiegsroute.

Als letzte Abstiegsvariante bietet sich die große Kaninrunde an. Hierfür lässt man die beiden Klettersteige links liegen und steigt vom Kanin am Normalweg nach Osten Richtung Seilbahnstation Bovec ab. Dieser Steig wird stark frequentiert und ist bis auf einzelne kurze Stellen, welche mit Seilen oder Stahlstiften versichert sind, einfach zu begehen. Bereits vom Gipfel aus sieht man den Steig durch das weite Kar bis unter den Hudi Vrsic ziehen. Dort gelangt man zu einer Weggabel, wo man sich links hält. Nach einer kurzen Aufwärtspassage geht es wieder flach bis an eine markante Geländekante, von welcher man zur Bergstation der Bovec-Gondel hinunter sieht. Die Steilstufe ist an einzelnen etwas schwierigeren Passagen mit Stahlseilen oder Stahlstiften versichert. Am Wandfuß empfiehlt es sich, noch nach links zum Okno (Fenster) aufzusteigen. Einige Höhenmeter unter dem Fenster zieht ein markierter Weg nach rechts (Osten) unter den Südwänden des Prestreljenik bis zum Sattel Skrbina pod Prestreljenik (2292m). Natürlich empfiehlt es sich, auch noch die letzten Meter hinauf zum Fenster zurückzulegen und dann erst weiter zu wandern. Vom Sattel führt der markierte Steig in etwa im Sinne der Lifttrasse (Beginn nicht ganz einfach zu sehen) hinunter zum Sella Prevala. Am Sattel angekommen wendet man sich nach links und steigt durch das durch die neue Schipiste mittlerweile öde Piano del Preval zur Gondelbergstation ab. Ganz langatmige oder konditionsstarke Bergsteiger können vom Prevala Sattel zur Bergstation der neuen Seilbahn aufsteigen und dann dem alten Kriegssteig (636) nach Nordosten talwärts folgen. In 1866m gelangt man zu einer Weggabel, hier nach links über schöne Karstböden abwärts zur nächsten Wegkreuzung. Nun nach rechts und dem Steigverlauf talwärts folgen. Der Steig mündet schließlich knapp oberhalb vom Sella Nevea in die Schipiste, über welche man die letzten Höhenmeter nach Westen zum Parkplatz absteigt. Diese Route wird im Winter gerne von Schitourengehern als Anstiegsweg benutzt.

 

Der Kanin, ein Berg voller Abwechslungen! Schroffe Felsen, weite Kare, Schnee und Eis und natürlich der Blick zum Meer! Ein Aufstieg von Norden her erfordert Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, von Osten - ausgehend von der Bergstation der Bovec-Gondel - ist ein Gipfelsieg mit etwas besserer Kondition und Trittsicherheit deutlich leichter zu schaffen. Für den Klettersteig Via Julia (C) sind Helm, Gurt und Klettersteigset ratsam. Der Abstieg über den Bänderweg ist alles andere als angenehm und nicht zu empfehlen! Wer die große Kaninrunde in Angriff nehmen will, sollte als Voraussetzung gute Kondition mitbringen.

Bei einer Besteigung des Kanin sollte man ganz besonders auf das Wetter achten, da es abgesehen von den Seilbahnstationen keine wirklichen Unterstandsmöglichkeiten gibt. Der Kanin ist von Süden her der erste wirklich hohe Berg der Julischen Alpen. Dementsprechend oft steckt er in Wolken und auch an Schönwettertagen bilden sich rund um diesen exponierten Gipfel rasch Quellwolken. Eine Besteigung sollte demnach idealer Weise bei sehr stabilem Wetter durchgeführt werden. Die Gondel vom Sella Nevea weg ist im Sommer (Anfang Juli bis Anfang September) von 8:30 bis 16:30 in Betrieb (Stand Sommer 2011).

Der Blick von der Gondel-Bergstation zum Fenster. Kaum vorstellbar, dass man im Winter mit den Schiern zu diesem aufsteigen kann!
Der Blick von der Gondel-Bergstation zum Fenster. Kaum vorstellbar, dass man im Winter mit den Schiern zu diesem aufsteigen kann!
Beim Anstieg zum Sella Bila Pec; hier befindet sich übrigens ein Blumenthemenpfad
Beim Anstieg zum Sella Bila Pec; hier befindet sich übrigens ein Blumenthemenpfad
Der Monte Cimone vom Sella Bila Pec aus aufgenommen
Der Monte Cimone vom Sella Bila Pec aus aufgenommen
Die Reste des einst mächtigen Kaningletschers; bei den Schneefeldern am Wandfuß beginnt der Klettersteig
Die Reste des einst mächtigen Kaningletschers; bei den Schneefeldern am Wandfuß beginnt der Klettersteig
Via Julia
Via Julia
Steilste Stelle
Steilste Stelle
Blick zur gegenüberliegenden Seite zum Monatsch (links) und Wischberg (rechts)
Blick zur gegenüberliegenden Seite zum Monatsch (links) und Wischberg (rechts)
Schon am Gipfel, nach Westen hin nur Berge. Der Blick reicht bis zur Marmolada
Schon am Gipfel, nach Westen hin nur Berge. Der Blick reicht bis zur Marmolada
Gipfelfoto mit dem Meer im Rücken
Gipfelfoto mit dem Meer im Rücken
Der Weg zurück nach Osten Richtung Bovec-Gondel-Bergstation. Der vielbegangene Weg ist gut zu erkennen. Im Hintergrund der Prestreljenik
Der Weg zurück nach Osten Richtung Bovec-Gondel-Bergstation. Der vielbegangene Weg ist gut zu erkennen. Im Hintergrund der Prestreljenik
Tiefblick hinunter zum Kaningletscher
Tiefblick hinunter zum Kaningletscher
Nochmals der Blick zurück durch das weite Kar zum Kanin
Nochmals der Blick zurück durch das weite Kar zum Kanin
Blick hinauf zum stark frequentierten Felsenfenster; der Weiterweg führt unter den Felswänden nach rechts.
Blick hinauf zum stark frequentierten Felsenfenster; der Weiterweg führt unter den Felswänden nach rechts.
Im Fenster, Blick nach Süden
Im Fenster, Blick nach Süden
Beim Abstieg über den Kriegssteig der Blick zurück nach Südwesten zum mächtigen Kaninmassiv
Beim Abstieg über den Kriegssteig der Blick zurück nach Südwesten zum mächtigen Kaninmassiv