Der Eiskargletscher

Begehung am 10.8.2012

Knapp einen Monat nach der letzten Begehung am 12.7.2012 war das Eiskarteam wieder am südlichsten Gletscher Österreichs unterwegs.

Aussehen des Gletschers am 10.8.2012:

Die Voraussetzungen waren nach dem schneearmen Winter 2011/12 und dem heißen Frühsommer ja sehr schlecht und besonders das eigentliche Nährgebiet des Gletschers, die Bereiche entlang des Wandfußes unter der Oberen Kellerwand, präsentieren sich sehr schlecht. Der Altschnee des Winters 2011/12 sowie ein Großteil der Firnrücklagen der letzten Jahre sind hier bereits abgeschmolzen.

Dadurch gleicht die aktuelle Situation am Wandfuß fast jener aus dem Spätsommer der Jahre 2006 und 2007.

Entlang des Eisscheitels und der Gletscherzunge stellt sich die aktuelle Situation etwas positiver dar. In diesen Bereichen sorgen die Firnrücklagen der letzten Jahre noch für einige Reserven für das letzte Viertel der Ablationsperiode 2012. In der Gletscherzunge betrug der Schnee- bzw. Firnrückgang seit 10.7.2012 2,2m. Altschnee gibt es nur mehr an zwei kleinen Stellen am unteren Ende der Gletscherzunge sowie in der ausgeprägten Senke im östlichen Gletscherteil. Von den drei Eispegeln ist weiterhin nur jener im östlichen schuttbedeckten Gletscherteil frei von Firn. Der Einsinkbetrag während der letzten 30 Tage betrug hier 25cm, damit beträgt der Einsinkbetrag des Gletschers an dieser Stelle seit Anfang September 2011 62cm. Im August des Vorjahres sorgte extreme Hitze für einen Rückgang der Eismächtigkeit von 45cm in diesem Gletscherteil. Solch extreme Einsinkbeträge sind heuer zwar nicht zu erwarten, die zweite Ausgusthälfte 2012 bringt aber weiterhin gletscherabträgliche Witterung, wodurch die starke Firn- und Eisschmelze zumindest weitere 14 Tage andauern dürfte.

Der Blick von Osten ins Eiskar; im Gegensatz zu den Vorjahren liegt praktisch kein Altschnee mehr am Gletscher
Der Blick von Osten ins Eiskar; im Gegensatz zu den Vorjahren liegt praktisch kein Altschnee mehr am Gletscher
Der Eispegel im schuttbedeckten Gletscherteil
Der Eispegel im schuttbedeckten Gletscherteil
Der Eisscheitel ist noch von einer Firnschicht (grauer Schnee) bedeckt
Der Eisscheitel ist noch von einer Firnschicht (grauer Schnee) bedeckt
Auch in der Gletscherzunge liegt noch einiges an Firn und am unteren Ende ein kleiner Flecken Altschnee (Winter 2011/12)
Auch in der Gletscherzunge liegt noch einiges an Firn und am unteren Ende ein kleiner Flecken Altschnee (Winter 2011/12)
Der einst mächtige Lawinenkegel am Wandfuß zerfällt zusehends
Der einst mächtige Lawinenkegel am Wandfuß zerfällt zusehends

Ursache für den starken Rückgang im Bereich des großen Lawinenkegels am Wandfuß:

Eigentlich ganz untypisch für einen Gletscher zeigte das Eiskar in den Jahren nach 2000 auch in den höchstgelegenen und schattigsten Bereichen deutliche Zerfallserscheinungen. Gab es früher einen großen und einen kleinen Lawinenkegel, ist der kleinere mittlerweile fast komplett abgeschmolzen und auch der große Lawinenkegel zerfällt zusehends. Konnte der Rekordwinter 2008/09 diesen Prozess vorübergehend für 3 Jahre stoppen, führte der extrem schneearme Winter 2011/12 so wie der heiße Frühsommer 2012 zu einer Fortsetzung des Rückgangprozesses. Die Ursache hierfür dürfte im allgemeinen Gletscherrückgang zu suchen sein.

Der gesamte Gletscher ist seit Beginn der 1990er Jahre um über 15m eingesunken und immer wieder, wie zuletzt in den Jahren 2006 und 2007, sind sämtliche Firnrücklagen abgeschmolzen. Der Gletscherteil entlang des Wandfußes dünnte somit weiter aus und mittlerweile apern hier Felsstufen aus, welche den Anschein eines massiven Zerfalls erwecken. Durch die Ausaperung der Felsstufen steilt der Gletscher in diesem Bereich auch immer mehr auf, wodurch der Schnee leichter abrutscht und sich somit wiederum weniger Schneerücklagen in diesem Bereich halten können.