Der Eiskargletscher

Begehung am 12.7.2012

Das Haushaltsjahr 2011/12 meint es weiterhin nicht gut mit dem Eiskargletscher! Nach dem extrem schneearmen Winter und dem milden Frühling folgte auch noch einer der wärmsten Junimonate seit Beginn der instrumentellen Messungen. Rund 3°C lag der Juni 2012 über dem vieljährigen Mittel 1971-2000. Die geringe Winterschneehöhe sowie die hohen Temperaturen mit den beiden Hitzeperioden im Juni und Juli ließen nichts Gutes erwarten.

War der Gletscher in den letzten Jahren Anfang bzw. Mitte Juli noch zu einem großen Teil mit Altschnee bedeckt, finden sich am 12.7.2012 nur mehr wenige Bereiche mit den Resten der Winterschneedecke. Besonders im oberen Gletscherteil entlang des Wandfußes ist bis auf einen dünnen Schneesaum der gesamte Altschnee abgeschmolzen und es sind großflächig die Firnrücklagen der letzten Jahre zum Vorschein gekommen. Einzig in der Gletscherzunge sind noch etwa ¾ der Fläche von einer bis zu 2m mächtigen Altschneedecke bedeckt. Die geringe Schneehöhe machte auch die Sondierungen fast überflüssig. Außer im Bereich der Gletscherzunge finden sich nur mehr rund um den Eisscheitel sowie im östlichen Gletscherteil unter der Wetterstation Altschneefelder mit bis zu 2m Mächtigkeit.

Am Eispegel im östlichen schuttbedeckten Teil betrug der Einsinkbetrag seit der Messung im September 2011 37cm, wobei der ein oder andere Zentimeter noch auf den ausgesprochen milden Spätsommer bzw. Frühherbst 2011 zurückzuführen ist. Die anderen beiden Eispegel liegen noch unter der sehr harten Firnschicht der Vorjahre.

Im Bereich der Gletscherzunge hat die Schneehöhe seit dem 30.5.2012 um etwa 3,6m abgenommen, was aufgrund der extrem hohen Temperaturen fast schon als positiv zu sehen ist. Die Ursache hierfür dürfte einerseits in der relativen Trockenheit während der Hitzeperiode sowie andererseits in der starken Beschattung durch Quellwolken im Juli gelegen haben.

Die aktuelle Situation ist in etwa mit jener aus dem Juli 2008 vergleichbar. Somit dürfte, sofern es zu keinem extrem heißen Spätsommer wie etwa jenem im Jahr 2011 kommt, bis zum September im Bereich des Eisscheitels sowie der Gletscherzunge der Eisrand nicht ausapern. In Summe ist für das Haushaltsjahr 2011/12 aber ein markanter Masseverlust zu erwarten, wobei der Bereich unter dem Wandfuß am stärksten betroffen sein dürfte.

 

Neben den klassischen „Schneebeobachtungen“ sowie der Sondierung der Schneehöhe wurde auch wieder ein Service an der Wetterstation durchgeführt. Nach einem Tausch der Batterie sendet diese nun wieder regelmäßig Daten zu Temperatur, Feuchte, Windrichtung und Windgeschwindigkeit sowie der Schneehöhe. Um die Messung der Schneehöhe für den kommenden Winter zu verbessern wurde ein möglichst ebenes Schneemessfeld angelegt.

Der erste Blick ins Eiskar ist nach mehreren schneereichen Jahren heuer zum ersten Mal wieder trist.
Der erste Blick ins Eiskar ist nach mehreren schneereichen Jahren heuer zum ersten Mal wieder trist.
Der Wandfuß ist schon fast komplett frei von Altschnee, am Eisscheitel im Vordergrund liegt noch bis zu 2m Schnee vom Winter 2011/12
Der Wandfuß ist schon fast komplett frei von Altschnee, am Eisscheitel im Vordergrund liegt noch bis zu 2m Schnee vom Winter 2011/12

Am Bild oben sind die unterschiedlichen Firn- bzw. Schneeschichten sehr schön zu erkennen. Die hellste Schicht stammt aus dem Winter 2011/12. Schnee, welcher einen Sommer überdauert hat, wird Firn genannt. Hier im Bild kann man das Alter des Firns anhand der "Dreckigkeit" erkennen. Je dunkler desto älter. Insgesamt sind bei genauer Betrachtung 3 Firnschichten zu erkennen, wobei die dunkleste (großflächig) aus dem Winter 2008/09 und die abgesehen vom Schnee aus dem Winter 2011/12 hellste (mit dem schwarzen Punkt in der Mitte = Mensch) vom Winter 2010/11 stammt.

Der Eisscheitel; im Vordergrund der Zungenansatz, welcher an der schmalsten Stelle nur mehr knapp 20m breit ist
Der Eisscheitel; im Vordergrund der Zungenansatz, welcher an der schmalsten Stelle nur mehr knapp 20m breit ist
Der Blick über die Gletscherzunge hinauf zum Wandfuß
Der Blick über die Gletscherzunge hinauf zum Wandfuß
Der markante Felsen am östlichen Rand der Gletscherzunge mit der Schneesituation vom 12.7.2012
Der markante Felsen am östlichen Rand der Gletscherzunge mit der Schneesituation vom 12.7.2012

Im Bild oben ist der markante Felsen am östlichen Rand der Gletscherzunge zu sehen. Die roten Striche stellen die Schneehöhen zu den einzelnen Zeitpunkten dar.

Links oben: 26.5.2011

Mitte: 30.5.2012

Mitte rechts: 30.7.2011

An dieser Wand offenbart sich die Schneearmut des vergangenen Winters deutlich.