Das Eiskar

Begehung am 2.6.2019

Blick von Osten über den Gletscher
Blick von Osten über den Gletscher

Witterungsübersicht Winter 2018/19

Das Winterhalbjahr in den Karnischen Alpen lässt sich in einem Satz rasch zusammenfassen:

Anfang pfui, Ende hui!

Der September und Oktober brachten überdurchschnittliche Temperaturen und keine nennenswerten Schneefälle. Das Hochwasserereignis Ende Oktober sorgte erst zum Schluss für etwas Neuschnee im Eiskar. Der November und Dezember blieben dann über Wochen hinweg fast niederschlagsfrei und somit lag Ende Dezember 2018 nur eine dünne Schneedecke am Gletscher.

Auch im Jänner 2019 setzte sich die Trockenheit in den Karnischen Alpen weiter fort. Erst zum Monatswechsel gab es das erste ergiebige Schneefallereignis des Winters. Dieses fiel dafür aber Anfang Feber gleich sehr kräftig aus und brachte im Eiskar rund 2m Neuschnee. Im weiteren Monatsverlauf als auch im März schneite es im Eiskar aber wieder nur wenig. Im April kam es jedoch bis zum Monatsende wiederholt zu teils kräftigen Schneefällen. In Kötschach-Mauthen war es der niederschlagsreichste April seit über 30 Jahren. In Summe kamen über den gesamten Monat mehr als 3m Neuschnee zusammen und auch Anfang Mai setzte sich die winterliche Wetterlage mit weiteren Schneefällen fort. Mit einer Durchschnittstemperatur von ca. 0°C (rund 3K unter dem Mittel 1981-2010) fiel der Mai als Schmelzmonat fast komplett aus. Das Ende der winterlichen Akkumulationsperiode wird im Eiskar mit dem 30.5.2019 festgelegt (vgl. 2018: 13. April).

Mit Beginn des klimatologischen Sommers am 1. Juni setzte jedoch mit deutlich überdurchschnittlichen Temperaturen starke Schneeschmelze ein.

 

In Summe brachte das Winterhalbjahr 2018/19 im Eiskar über weite Phasen sehr wenig Niederschlag. Gerade der für diesen Gletscher so wichtige Frühwinterschnee blieb praktisch komplett aus. Erst ab Feber stellten sich gletschergünstige Verhältnisse ein, welche durch den kalten Mai bis zum Beginn des klimatologischen Sommers am 1. Juni anhielten.

Begehung am 2.6.2019:

Wie in den letzten Jahren wurde auch heuer wieder an 20 Punkten die Schneehöhe sondiert. Dazu hatten wir eine maximal 12m lange Lawinensonde mit. Im Gegensatz zum letzten Jahr stellte das Sondieren aber keine größeren Probleme dar, da ein Großteil der Schneedecke erst im Spätwinter gefallen und deshalb noch nicht so stark verdichtet war. Weiters hatten wir unsere Lawinensonde deutlich zugespitzt um ein leichteres Eindringen in die Schneedecke zu ermöglichen.

Aus der Kellerwand lösten sich besonders am Vormittag noch zahlreiche kleinere Nassschneelawinen, welche teilweise den Gletscher erreichten (vgl. Video).

Mit einer durchschnittlichen Schneehöhe von 6,2m, entspricht der heurige Wert fast exakt jenem des Vorjahres (6,1m). Das Mittel der letzten neun Jahr liegt übrigens bei 5,4m.

Die größten Schneehöhen wurden neuerlich im westlichen Gletscherbereich rund um den Zungenansatz sowie in der Gletscherzunge selbst mit verbreitet 8 bis >11m gemessen.

Blick von der Moräne über den Eisscheitel zum höchsten Punkt des Gletschers.
Blick von der Moräne über den Eisscheitel zum höchsten Punkt des Gletschers.

Bedingt durch die Frühjahrsschneefälle war am 2.6.2019 noch der gesamte Gletscher mit Schnee bedeckt. Nicht einmal die größten Felsrücken waren zu sehen. Auch im Gletscherumfeld sowie in der Oberen Kellerwand lag für die Jahreszeit noch flächig gesehen überdurchschnittlich viel Schnee. Aufgrund der geringen Dichte dürfte die Schneehöhe aber im Juni stärker abnehmen als in einem durchschnittlichen Jahr.

Eine mittlere Schneehöhe von rund 10m im Bereich der Gletscherzunge sowie die Rücklagen aus dem letzten Jahr lassen die Hoffnung zu, dass die Gletscherzunge auch in diesem Jahr nicht abreißen wird.

Wie schon im letzten Jahr ist bei den zu erwartenden Sommertemperaturen davon auszugehen, dass im östlichen Gletscherteil die aktuellen Schneerücklagen großflächig bis spätestens Ende Juli abgeschmolzen sein werden. Entlang des Wandfußes wird wohl ein schmaler Altschneesaum den Sommer überdauern. Am Eisscheitel sowie in der Gletscherzunge ist damit zu rechnen, dass sich bis in den Herbst hinein Altschnee wird halten können.

Perfektes Rundumtraining
Perfektes Rundumtraining