Das Eiskar

Begehung am 26.5.2011

Aufgrund der unsicheren Wetterlage sowie der Tatsache, dass mir der Laptop zur Datenablesung der Wetterstation nur bis zum 31.5.2011 zur Verfügung steht, wurde die erste Begehung des Eiskargletschers im Jahr 2011 bereits am 26.5. durchgeführt.

 

Witterungsübersicht Winter 2010/11: 

Der Winter 2010/11 wird in manch einer Region als ausgesprochen schneearm in die Klimabücher eingehen. Die Südalpen sind hier nochmals mit einem blauen Auge davon gekommen. Nachdem der September 2010 relativ kühl (-1K) aber fast neuschneelos verlaufen war, kam es im Oktober zu den ersten ergiebigen Schneefällen im Eiskar. Die größten Neuschneesummen kamen im Zuge eines Tiefs über dem Golf von Genua am 25. Oktober 2010 zusammen. Binnen 24h schneite es im Eiskar rund 80cm, damit war die Einwinterung am südlichsten Gletscher Österreichs endgültig abgeschlossen. Insgesamt verlief der Oktober 2010 für das Eiskar perfekt: kalt und niederschlagsreich. Auch der November brachte im Plöckengebiet viel Niederschlag. Immer wieder zogen Tiefs vom Mittelmeer her gegen die Südalpen und sorgten im Eiskar für kräftige Schneefälle. Ende November lag im Eiskar bereits eine stattliche und durch einzelne Warmluftphasen hervorgerufene kompakte Schneedecke. Im Dezember kam es gleich zu Monatsbeginn neuerlich zu intensiven Schneefällen. Danach war es kalt, es fiel jedoch kaum Schnee. Kurz vor Weihnachten setzte Tauwetter bis ins Gebirge ein. Im Zusammenhang mit einem Genuatief schneite bzw. regnete es im Eiskar am 23. des Monats über 100mm. Die Schneefallgrenze pendelte zwischen 1700 und 2500m. Zum Jahresende lag am Eiskargletscher eine mächtige und kompakte Schneedecke. Die Monate Jänner, Feber und März lassen sich rasch und einfach zusammenfassen: Während der Jänner noch im Bereich der vieljährigen Temperaturmittelwerte lag, verliefen Feber und März zu mild. Die Niederschläge beschränkten sich auf einzelne Schneefallereignisse, welche aber durchaus kräftig ausfielen. In Summe lagen die Niederschläge leicht unter den Mittelwerten. Der April 2011 war schließlich sehr niederschlagsarm und ausgesprochen mild - mit etwa +3,5K Abweichung. Besonders zu Monatsbeginn war es richtiggehend heiß. Die Frostgrenze stieg auf über 3000m und im Eiskar kam es zum ersten massiven Tauwetter im Jahr 2011. Der Mai startete zunächst eher kühl, legte dann aber so richtig los. Ab dem 10. kam es zu deutlich positiven Temperaturen und starker Schneeschmelze. Diese warme Witterungsperiode dauerte bis zum Monatsende an und wurde nur von einem markanten Kaltfrontdurchgang zur Monatsmitte kurz unterbrochen. Im Zuge dieser schneite es im Eiskar nochmals ca. 25cm.

 

In Summe brachte der Winter 2010/11 durchschnittliche Schneemengen im Plöckengebiet, wobei die Grundlage einmal mehr im Herbst und Frühwinter gelegt wurde. Im Hochwinter schneite es verhältnismäßig wenig; komplett ausgeglassen hat bezüglich der Schneefälle der Frühling.

Blick ins Eiskar, die Moränen weisen schon eine etwas geringere Schneebedeckung als Ende Mai 2010 auf
Blick ins Eiskar, die Moränen weisen schon eine etwas geringere Schneebedeckung als Ende Mai 2010 auf

Begehung am 26.5.2011:

Der erste Blick auf den Eiskargletscher im Jahr 2011 fiel zufriedenstellend aus. Erwartungsgemäß war der gesamte Gletscher mit Schnee bedeckt, die steilen Moränenhänge aperten aber bereits deutlich aus. Im Großen und Ganzen war das Bild jenem von Ende Mai 2010 nicht unähnlich, wenngleich im letzten Jahr stellenweise etwas mehr Schnee lag.

Gleich zu Beginn der Begehung kam aber die große Ernüchterung: Die neue Wetterstation hatte den Winter zwar gut überstanden, leider setzte jedoch Kondenswasser die Zentraleinheit außer Betrieb und daher gibt es vorerst keine Messwerte.

Schneedickensondierung
Schneedickensondierung

Nach dem Dämpfer mit der Wetterstation widmeten wir uns einem "neuen" Projekt: der Schneehöhensondierung. Am Eiskargletscher können aufgrund der gewaltigen Schneehöhen keine Schächte zur Ermittlung der Schneehöhe und Schneedichte zur Bestimmung der Massenbilanz gegraben werden. Um trotzdem einen guten Überblick über die Schneebedeckung zu erhalten, rückten wir dem Gletscher mit einer 9m langen Lawinensonde, welche uns die Bergrettung Kötschach-Mauthen zur Verfügung gestellt hatte, an den Leib. An ingesamt 20 Punkten führten wir Sondierungen durch, wobei an drei Punkten die 9m lange Sonde zu kurz war. Die geringste Schneehöhe konnten wir an einem Hang im östlichen schuttbedeckten Gletscherteil messen. Hier lagen "nur" 2,5 bis 3m der weißen Pracht. Verbreitet betrug die Schneehöhe zwischen 4,5 und 8m. Ende Juni bzw. Anfang Juli soll an denselben Punkten neuerlich die Schneehöhe sondiert werden.

Bei der Sondierung konnten wir einzelne in die Schneedecke eingelagerte Eisschichten feststellen, wobei die kompakteste in einer Tiefe zwischen 2 und 4m lag.

Blick über die Gletscherzunge zur Wand
Blick über die Gletscherzunge zur Wand

In der Gletscherzunge lag am 26.5.2011 etwa 1,5 bis 2m weniger Schnee als nach dem Rekordwinter 2008/09. Die Sondierungen ergaben Schneehöhen von zumindest 7,5m. Wenn man bedenkt, dass über den gesamten Sommer an diesem tief gelegenen Gletscherteil meist rund 8m Schnee abschmilzt, ist aus heutiger Sicht davon auszugehen, dass hier bis September 2011 der Firn der Vorjahre zumindest teilweise zum Vorschein kommen wird.

Der Blick über den Eisscheitel nach Osten
Der Blick über den Eisscheitel nach Osten

Am Eisscheitel entspricht die Schneebedeckung etwa jener des letzten Jahres. Am 26.5.2011 konnten wir Schneehöhen zwischen 6,5m (über einer Felsrippe) und mehr als 9m (im Bereich des aktuellen Gletscherrandes) messen.

Der höchste Punkt des Eiskargletschers
Der höchste Punkt des Eiskargletschers

Der mächtige zentrale Lawinenkegel, welcher den höchsten Punkt des Gletschers darstellt, präsentiert sich in guter "Verfassung". Dank der durchwegs positiven Schneelage der letzten Jahre konnte das eigentliche Nährgebiet des Eiskargletschers wieder an Masse zulegen.

Entlang des Wandfußes ist die aktuelle Schneelage allgemein zufriedenstellend und liegt etwa 2,5m unter jener des Vergleichszeitraums nach dem Rekordwinter 2008/09. Die kleineren Lawinenkegel, welche in den gletscherabträglichen Jahren 2005-2007 abgeschmolzen sind, kann man nun wieder deutlich erkennen.

Die Schneehöhensondierungen ergaben am Fuße des zentralen Lawinenkegels (hier in der Bildmitte) rund 8m, auf den schuttbdeckten Rücken links und rechts des Kegels sind es "nur" 4 bis 7m.

 

Abschließend ist festzuhalten, dass die Schneesituation am 26.5.2011 jener der Jahre 2010 und 2008 nicht unähnlich ist. In beiden Jahren konnte trotz eines milden Sommers zumindest an einigen Stellen etwas Schnee am Gletscher den Sommer überdauern. Wenn man davon ausgeht, dass sich der diesjährige Sommer ähnlich entwickeln wird wie jener der letzten Jahren, sollten auch im Jahr 2011 einige Schneerücklagen erhalten bleiben.