Das Eiskar

Begehung am 27.7.2016

Nach fast exakt einem Monat Pause ging es Ende Juli zum dritten Mal in diesem Jahr ins Eiskar. Nach den leicht unterdurchschnittlichen Winterschneemengen und dem warmen aber nicht heißen Juni folgte ein mild-feuchter Juli. Einzig um die Monatsmitte gab es einen Kaltlufteinbruch, welcher im Eiskar aber keinen Neuschnee brachte. Am Hohen Sonnblick in den Hohen Tauern schmolzen im Juli rund 180cm Schnee ab. Diese Schmelzraten ließen für's Eiskar eigentlich nichts Gutes erwarten, da der südlichste Gletscher Österreichs ja nochmals fast 1000 Höhenmeter tiefer liegt als das Sonnblickobservatorium.

Aufgrund der massiven Firnschmelze im letzten Jahr (2015) ist ja ein Vergleich der Schneemächtigkeit mit anderen Jahren nur über die Sondierungen möglich.

Im Gegensatz zum Jahr 2015 oder 2012, als im Hochsommer praktisch kein Altschnee (Schnee von letzten Winter) mehr am Gletscher lag, sind im Hochsomer 2016 noch rund 50% des Gletschers mit Altschnee bedeckt.

Blick von Osten über den Eiskargletscher. Die großen Schuttrücken sind bereits alle aper.
Blick von Osten über den Eiskargletscher. Die großen Schuttrücken sind bereits alle aper.

Im östlichen Gletscherlappen liegen nur mehr wenige schmale Schneebänder. Aufgrund der geringen Schneemächtigkeit Ende Juni war es aber zu erwarten, dass der in diesem Teil fast komplett mit Schutt bedeckte Gletscher einen Monat später defacto schneefrei sein würde.

Am Eisscheitel nahm die Schneehöhe zwischen 1,5 und 3m ab, der Gletscher ist dort aber noch durchwegs mit Altschnee bedeckt, wenngleich es sich nur mehr um 0,5 bis 2m handelt. Die großen Schuttrücken Richtung Wandfuß sind bereits schneefrei. Bis zur Messung Anfang September wird jedoch ein Großteil der Schneerücklagen im Bereich des Eisscheitels abschmelzen.

Entlang des Wandfußes dürfte sich aber (sofern es zu keinem extrem milden August kommt) ein Altschneesaum halten.

Blick über den Eisscheitel zum Wandfuß. Gut zu erkennen sind auch die großen schuttbedeckten Rücken, unter welchen noch Eis liegt.
Blick über den Eisscheitel zum Wandfuß. Gut zu erkennen sind auch die großen schuttbedeckten Rücken, unter welchen noch Eis liegt.

Am besten ist die Schneelage, wie schon in den letzten Jahren, im westlichen Gletscherabschnitt sowie in der Gletscherzunge. Hier nahm die Schneehöhe im Mittel im Juli um knapp über 2m ab, in der Gletscherzunge liegen jedoch stellenweise noch über 3m Schnee. Somit dürften sich in diesem Bereich zumindest teilweise ein paar Rücklagen für das nächste Jahr halten bzw. der noch unter dem Winterschnee liegende Firn aus den Jahren 2008-2014 dürfte nur wenig abschmelzen.

Blick vom unteren Ende der Gletscherzunge zum Wandfuß
Blick vom unteren Ende der Gletscherzunge zum Wandfuß

In Summe entspricht die aktuelle Situation in etwa unseren Erwartungen. Im Vergleich zu den letzten Jahren lag die Schneeschmelze im Monat Juli - wie bereits im Juni -  mit knapp über 2m unter dem Mittelwert. Dies ist umso erstaunlicher, da der Juli überdurchschnittliche Temperaturen brachte. Die oftmals starke Bewölkung dürfte aber die direkte Sonneneinstrahlung gehemmt und somit die Schneeschmelze gebremst haben. Bis zum Messtermin Anfang September wird der Großteil des Altschnees abschmelzen. Im östlichen Gletscherteil ist mit einem Einsinkbetrag der Eisoberfläche von insgesamt rund 1m (Septmeber 2015 bis September 2016) zu rechnen. Dadurch wird der Eiskargletscher das Haushaltsjahr 2015/16 mit einer negativen Massenbilanz abschließen.