Das Eiskar

Begehung am 28.5.2015

Witterungsverhältnisse 2014/15

Der Winter 2014/15 stand ein wenig im Zeichen der großen vergebenen Chance. Nach dem sehr guten Haushaltsjahr 2013/14 hätte ein darauffolgend schneereicher Winter am Eiskargletscher für die nächsten Jahre eine nachhaltige Entspannung bringen können. Und fast hätte dieser Winter auch mit einem Paukenschlag begonnen. Nachdem es bis Anfang November nur rund 20cm Neuschnee gegeben hatte, sorgte eine anhaltende Südwestlage ab dem 4.11.2014 für extreme Niederschläge im Plöckengebiet. Innerhalb weniger Tage summierten sich rund 700mm Niederschlag auf. Zu Beginn lag die Schneefallgrenze auch noch um 2000m, im Laufe des Niederschlagsereignisses wurde es aber immer milder, sodass die Schneefallgrenze bis auf 2700m stieg. In Summe fielen von den 700mm Niederschlag im Eiskar etwa 100mm in Form von Schnee. Wäre es nur um 2 bis 3°C kühler gewesen, das Eiskar wäre unter einer meterdicken Schneedecke begraben gewesen.

Bereits Mitte November kam es aber schon zum nächsten ergiebigen Regen und Schneefall, wobei ein Großteil der 100mm Niederschlag in Form von Schnee fiel. Auch Anfang Dezember schneite es im Zuge von zwei Tiefdruckpassagen im Eiskar rund 50 bzw. 75cm, sodass die Schneelage mit Mitte Dezember als zufriedenstellend bezeichnet werden konnte.

Bis Mitte Jänner blieben dann nennenswerte Niederschläge aus, ehe es rund 1m schneite. Nach diesem Schneefall kam es bis Ende März zu keinem ergiebigen Schneefallereignis mehr. Nur hin und wieder schneite es einige Zentimeter, welche mit darauffolgendem Nordwind aber bald aus dem Eiskar verfrachtet wurden.

Ende März schneite es dann rund 50cm, bis Ende April blieben weitere Schneefälle neuerlich aus und auch kurz vor Monatsende reichte es nur für etwa 30cm Neuschnee.

Im Mai setzte sich das niederschlagsarme Wetter zunächst weiter fort. Zur Monatsmitte stellte sich die Wetterlage aber nachhaltig um. Zunächst schüttete es im Eiskar gewitterdurchsetzt etwa 90mm, ehe der Regen in Schnee überging und noch gut 20 bis 25cm Neuschnee zusammenkamen. Um den 22. Mai 2015 gab es dann im Eiskar nochmals rund 35cm Neuschnee, wobei anzumerken ist, dass solche Neuschneemenge Ende Mai in den Karnischen Alpen eher ungewöhnlich sind. Die kühle und relativ schneereiche Witterungsphase hat dafür gesorgt, dass Ende Mai die Schmelzperiode für 1 Woche unterbrochen wurde.

Blick vom Gailtal zur Kellerwand und zum Eiskar
Blick vom Gailtal zur Kellerwand und zum Eiskar

Nach dem schneearmen Hochwinter war im Jahr 2015 eine Begehung Ende Mai wieder problemlos möglich. Selbst der Neuschnee der Vortage stellte beim Anstieg keinerlei Probleme dar. Die Kellerwand selbst als auch das Eiskar präsentierten sich noch im frischen Weiß.

Blick von Osten über den Gletscher
Blick von Osten über den Gletscher

Wie in den letzten Jahren wurde auch heuer wieder an 20 Punkten die Schneehöhe sondiert. Gerade nach dem letzten Rekordjahr zeigt sich, wie wichtig eine objektive Messung am Gletscher ist. Denn ein Vergleich an den angrenzenden Felswänden würde aufgrund der mächtigen Firnauflage aus dem letzten Jahr keine eindeutige Bestimmung der aktuellen Schneehöhe zulassen.

Der höchste Abschnitt des Gletschers
Der höchste Abschnitt des Gletschers

Im östlichen Gletscherteil liegen abseits der großen Schuttrücken, wo die Schneehöhe nur mehr wenige Dezimeter beträgt und größere Felsen schon aus dem Schnee ragen, noch rund 2,5m. Damit gibt es hier um rund 1m mehr Schnee als nach dem letzten extrem schneearmen Winter (2011/12).

Im Bereich des Eisscheitels beträgt die Schneehöhe im Durchschnitt etwa 4m. Im Gegensatz zu vielen anderen Jahren sind im vorgangegen Winter keine mächtigen Lawinen aus der oberen Kellerwand auf den Gletscher abgegangen.

In den höchsten Gletscherbereichen beträgt die Schneehöhe (abseits der großen Schuttrücken) knapp 4m. Damit liegt die mittlere Schneehöhe am Wandfuß um etwas mehr als 2m unter den Werten der Jahre 2011 bzw. 2013.

Der Trog der Gletscherzunge mit dem höchsten Punkt des Gletschers und mit der umrahmenden Kellerwand
Der Trog der Gletscherzunge mit dem höchsten Punkt des Gletschers und mit der umrahmenden Kellerwand

Auf der Gletscherzunge merkt man ebenfalls das Fehlen großer Lawinen. Die Schneehöhe beträgt am Zungenansatz knapp über 4m und erreicht damit in diesem Bereich - wie bereits im Jahr 2013 - den größten Wert aller 20 Messungen. Zum Zungenende hin nimmt die Schneehöhe auf etwas mehr als 3m ab.