Das Eiskar

Begehung am 28.5.2017

Witterungsübersicht 2016/17

Wie schon in den letzten beiden Wintenr blieben auch im Winter 2016/17 die Niederschlagsmengen unter den langjährigen Mittelwerten.

Nach einem kalten Oktober, welcher auch die ersten Zentimeter Neuschnee im Eiskar brachte, kam es auch im November trotz leicht überdurchschnittlicher Temperaturen noch zu etwas Neuschnee am Eiskargletscher. Die Novemberniederschläge blieben in den westlichen Karnischen Alpen aber bereits unter den langjährigen Durchschnittswerten. In Summe konnte sich bis zum Beginn des klimatologischen Winterbeginns am 1. Dezember am Gletscher jedoch eine wenige Dezimeter mächtige Schneedecke bilden. Wie bereits der Dezember 2015 blieb auch der letzte Monat des Jahres 2016 praktisch niederschlagsfrei. Zu Beginn des Jahres 2017 setzte sich die Trockenheit im südlichen Oberkärnten weiter fort.

Erst im Feber entsprachen die Niederschlagsmengen dem langjährigen Mittel. Aber schon im ausgesprochen milden März setzte sich die Trockenheit in den Karnischen Alpen weiter fort und in der zweiten Monatshälfte setzte selbst am Eiskar bereits leichtes Tauwetter ein. Erst Mitte April hatte die warme und trockene Witterungsphase ein Ende. Die im Tal teils schadensbringenden Kaltlufteinbrüche unterbrachen die bereits begonnene Schneeschmelze am Eiskargletscher und kurz vor Monatsende kam es schließlich zu den ersten und einzigen sehr ergiebigen Schneefällen der Wintersaison 2016/17. Binnen 48h wurden an der benachbarten Station Plöckenhaus über 200mm Niederschlag gemessen. Der Großteil davon fiel im Eiskar in Form von Schnee. Nach diesem Schneefallereignis blieb es noch einige Tage kalt, ehe die Temperaturen wieder über die langjährigen Mittelwerte anstiegen. Weiterer Neuschnee blieb im Mai im Eiskar aus.

Ende Mai bzw. Anfang Juni sorgte dann eine feucht-warme Witterungsphase für die erste kräftige Schneeschmelze am südlichsten Gletscher Österreichs.

Fazit:

Der Winter 2016/17 war neuerlich sehr schneearm. Von November bis März fielen in den Karnischen Alpen nur etwa 50% der sonst üblichen Regen- und Schneemengen. Die Schneelage Ende April war extrem schlecht. Ohne das Schneefallereignis um den 28.4.2017 wären die Schneerücklagen teilweise wohl schon vor der ersten Begehung aufgebraucht gewesen. Wie schon im letzten Jahr ist auch im Haushaltsjahr 2016/17 aufgrund der geringen Winterniederschläge mit einer deutlich negativen Massenbilanz zu rechnen.

Blick von Osten auf den Gletscher, die Moränenhänge sind teilweise schon aper
Blick von Osten auf den Gletscher, die Moränenhänge sind teilweise schon aper

Wie in den letzten Jahren wurde auch heuer wieder an 20 Punkten die Schneehöhe sondiert. Wie schon Ende Mai 2016 war auch heuer die Schneedichte aufgrund der späten Schneefälle gering. Nur stellenweise waren die wenige Dezeimter dicke Schneeschicht aus dem Frühwinter feststellbar.

Der höchste Punkt des Gletschers liegt deutlich niedriger als in den letzten Jahren

Die Schneehöhe an den einzelnen Sondierungspunkten lag zwischen 1m im östlichen lawinenfreien Gletscherabschnitt und bis zu 7,5m am Eisscheitel, wo nach den Schneefällen am 28.4.2017 eine mächtige Lawine liegengeblieben war. Auf der Gletscherzunge betrug die Schneehöhe zwischen 3,5 und 6,5m, wobei auch hier die Reste einer mächtige Lawine zu sehen waren. Diese war aus der Oberen Kellerwand auf den Gletscher abgegangen und erst unterhalb der Gletscherzunge zu liegen gekommen. Dabei hatte sie leider auch einen Teil der Schneedecke vom Gletscher "mitgenommen" und im Gletschervorfeld abgelagert. Besonders wenig Schnee liegt heuer im östlichen Gletscherteil sowie entlang des Wandfußes, wo es Ende Mai nur um rund 1m weniger Schnee lag als in den letzten Jahren. In Mittel betrug die Schneehöhe am Gletscher 3,7m und lag somit um rund 1m unter dem Mittel der letzten 7 Jahre (ohne 2014, da dieser Extremwerte die kurze Messreihe statistisch zu stark beeinflussen würde).

Blick über den Eisscheitel nach Osten
Blick über den Eisscheitel nach Osten

Aufgrund der geringen Scheehöhe und auch geringen Schneedichte ist damit zu rechnen, dass bereits Anfang Juli weite Bereiche des Gletschers frei von Altschnee sein werden. Die feucht-warme Witterung (wie z.B. Anfang Juni) trägt besonders stark zu einer raschen Schneeschmelze bei.

Da in den Sommermonaten in den Karnischen Alpen im Regelfall weder nachhaltige Kaltlufteinbrüche noch nennenswerte Schneefallereignisse zu erwarten sind, muss heuer bis zur Messung (Anfang September) mit einem markanten Massen- und Längenrückgang am Eiskarglestcher gerechnet werden.

Im Trog der Gletscherzunge sind im linken Bildteil noch die seitlichen Schneeablagerungen der mächtigen Lawine aus dem Frühjahr zu erkennen.
Im Trog der Gletscherzunge sind im linken Bildteil noch die seitlichen Schneeablagerungen der mächtigen Lawine aus dem Frühjahr zu erkennen.