Das Eiskar

Begehung am 29.5.2016

Witterungesübersicht Winter 2015/16

Der Winter in den Südalpen begann gletscherfreundlich. Bereits in der zweiten Septemberhälfte kam es zu den ersten nennenswerten Schneefällen im Eiskar. In weiterer Folge blieb es bis zum 23. Oktober fast durchwegs unterdurchschnittlich temperiert und Mitte Oktober schneite es in den Karnischen Alpen neuerlich, sodass die Einwinterung zu diesem Zeitpunkt im Eiskar bereits in vollem Gange war.

In weiterer Folge kam es jedoch zum wärmsten Frühwinter seit Messbeginn. Bereits der November verlief überdurchschnittlich warm und der Dezember brachte schließlich eine Temperaturabweichung von fast 7°C über dem langjährigen Mittel. Aufgrund der schattigen Lage kam es zwar zu keinen nennenswerten Schmelzprozessen im Eiskar, neben den extrem hohen Temperaturen fiel aber auch kein Niederschlag. Erst im Laufe des Jänners 2016 sorgten Italientiefs für die ersten nennenswerten Niederschläge nach mehr als 2 Monaten Trockenheit. Die Schneelage war zu diesem Zeitpunkt im Eiskar extrem schlecht. Erst im Laufe des Febers schneite es in den Karnischen Alpen wiederholt und zum Teil auch kräftig, sodass selbst am Plöckenpass bis Anfang März die Schneehöhe auf knapp 2m anstieg. Ab dem 10. März blieb es in den Karnischen Alpen aber bis zum 26. April neuerlich fast komplett trocken und sehr mild, ehe ein Kaltlufteinbruch am 27.4.2016 für etwa 60-70cm Neuschnee im Eiskar sorgte. Die kommenden 30 Tage verliefen in den Südalpen relativ kalt und unbeständig. Immer wieder kam es zu Niederschlägen, wobei die Schneefallgrenze zwischen 1500 und 2500 pendelte. Erst in der letzten Maiwoche sorgte eine Wärmephase wieder für nennenswerte Schneeschmelze.

Fazit:

Das große Niederschlagsdefizit aus der ersten Winterhälfte konnte vom niederschlagsreichen Feber bei weitem nicht wettgemacht werden. Gerade der Frühwinterschnee, welcher heuer komplett fehlte, wird über Monate verfestigt und bildet im Hochsommer die wichtigen Reserven für den Gletscher.

Die Kellerwand mit dem Eiskar vom Gailtal aus aufgenommen
Die Kellerwand mit dem Eiskar vom Gailtal aus aufgenommen

Wie in den letzten Jahren wurde auch heuer wieder an 20 Punkten die Schneehöhe sondiert. Gerade nach dem letzten Rekordjahr zeigt sich, wie wichtig eine objektive Messung am Gletscher ist. Denn ein Vergleich an den angrenzenden Felswänden würde aufgrund der unterschiedichen Akkumulations- und Schmelzperioden der letzten Jahr keine eindeutige Bestimmung der aktuellen Schneehöhe zulassen.

Blick von Osten ins Eiskar
Blick von Osten ins Eiskar

Die Schneehöhe am Gletscher liegt im Mittel (4,4m) knapp unter dem Durchschnitt der letzten 5 Jahre (4,6m), wobei das Jahr 2014 für den Durchschnitt nicht herangezogen wurde, da es sich bei diesem Jahr um einen Ausreißer handelt und dieser eine kurze Reihe von 5 Jahren verfälschen würde. Bei den Sondierungen zeigte sich auch sehr gut das Fehlen von kompaktem Frühwinterschnee. Schnee aus dem Spätwinter verfestigt sich nicht so stark und hat eine deutlich geringer Dichte, wodurch die Sondierungen heuer relativ einfach waren.

Trotz der etwas geringeren Schneehöhe liegt die Schneeausdehnung (flächig gesehen) etwas über dem Mittel. Dies ist auf den relativ kühlen und auch recht schneereichen Mai zurückzuführen. Dies machte sich bei der Begehung am 29.5. auch insofern bemerkbar, als dass wir bei jedem Schritt 10 bis 30cm tief einsanken.

Der höchste Punkt des Gletschers, im Vordergrund links sieht man 2 Personen als Größenvergleich
Der höchste Punkt des Gletschers, im Vordergrund links sieht man 2 Personen als Größenvergleich

Der etwas zu kühle Mai hat auch zur Folge, dass am Gletscher selbst noch kein Saharastaub zu sehen ist. Auf den sonnigen Hängen im Gletschervorfeld tritt der im April 2016 abgelagerte Saharastaub jedoch bereits zum Vorschein. Im Laufe des Sommers wird der Saharastaub dann auch am restlichen Gletscher herauskommen und die Schneeschmelze tendenziell beschleunigen.

Die größten Schneehöhen wurden wieder im Bereich des Zungenansatzes mit rund 6m gemessen, am wenigsten Schnee liegt wie jedes Jahr auf den großen lawinenfreien Schuttrücken im östlichen Gletscherteil, wo aktuell nur mehr 1,5 bis 3m Schnee liegen.

Der Trog der Gletscherzunge ist nach der starken Schmelze im Sommer 2015 wieder deutlich tiefer als in den Vorjahren
Der Trog der Gletscherzunge ist nach der starken Schmelze im Sommer 2015 wieder deutlich tiefer als in den Vorjahren

Die aktuelle Schneelage lässt den Schluss zu, dass bis in den Herbst hinein kaum Altschnee (Schnee des Winters 2015/16) überdauern wird und somit am Eiskargletscher für das Jahr 2016 sowohl ein Massen- als auch ein Längenverlust zu erwarten sein wird.

Einen Hoffnungsschimmer stellt im Moment die Saisonprognose für den Sommer 2016 dar. Diese geht "nur" von durchschnittlichen Temperaturen aus, wodurch sich die Schnee- und Eisschmelze im Vergleich zum Vorjahr in Grenzen halten könnte.