Das Eiskar

Begehung am 30.5.2012

Witterungsübersicht Winter 2011/12

Der September 2011 verlief ausgesprochen mild und führte somit noch zu deutlicher Schnee- bzw. Eisschmelze. Im Oktober 2011 kam es bei insgesamt durchschnittlichen Temperaturen zu den ersten beiden nennenswerten Schneefallereignissen. Bei einer Begehung Anfang November 2011 lagen am Gletscher rund 25-50cm Schnee. Wenige Tage später fallen im Eiskar die letzten ergiebigen Schneefälle für mehrere Wochen. Zwischen 4. und 8.11. werden im Plöckengebiet knapp über 60mm Niederschlag gemessen, etwas mehr als die Hälfte davon fällt im Eiskar in Form von Schnee. Im Laufe des weiteren Novembers sowie im Dezember und Jänner kommt es zu keiner einzigen Süd- oder Südwestwetterlage! In Summe fallen in dieser Zeit nur wenige Zentimeter Neuschnee. Mit 20 bis 30cm Neuschnee schneit es nur am 2.1.2012 ergiebig. Auch im Feber bleiben die Niederschlagsmengen unter den Erwartungswerten zurück. Die extreme Trockenheit hält auch im März an, so dass sich im Gebiet des Plöckenpasses von Anfang November bis Ende März ein Niederschlagsdefizit von rund 500mm aufgebaut hat. Wenn man davon ausgeht, dass in dieser Zeit im Bereich des Eiskargletschers alle Niederschläge in Form von Schnee fallen, fehlen im Eiskar rund 5m Neuschnee. In diesem Zeitraum fallen insgesamt nur 190mm Niederschlag.

Erst  im April 2012 kommt es in den Karnischen Alpen im Zuge von mehreren Oberitalientiefs zu intensiven Schneefällen. Im Eiskar fallen insgesamt rund 2-3m Neuschnee. Mit diesen Schneefällen kommt es zu den ersten Lawinenabgängen auf den Gletscher seit Anfang November 2011. Der April 2012 bringt mit 215mm mehr Niederschlag als die 5 vorangegangenen Monate zusammen! Im Mai 2012 fallen keine nennenswerten Neuschneemengen mehr. Nach einem ausgesprochen milden Montasbeginn bringt die zweite Monatshälfte durchschnittliche bzw. unterdurchschnittliche Temperaturen.

 

Zusammenfassend war der abgelaufe Winter einer der niederschlagsärmsten der letzten Jahrzehnte. Dementsprechend gering war die Erwartung bei der ersten Begehung im Jahr 2012.

Der erste Blick vom Tal hinauf zum Eiskar, welches in der Kellerwand eingebettet liegt, erinnert eher an eine Aufnahme Ende Juni
Der erste Blick vom Tal hinauf zum Eiskar, welches in der Kellerwand eingebettet liegt, erinnert eher an eine Aufnahme Ende Juni
Nach rund 2,5h Aufstieg der Blick von Osten zum Gletscher: Wenig Schnee.
Nach rund 2,5h Aufstieg der Blick von Osten zum Gletscher: Wenig Schnee.

Wie im letzten Jahr wurde auch heuer mittels einer Sonde die Schneehöhe an 20 Punkten ermittelt. Der Vergleich zum Vorjhar fällt ernüchternd aus. Die maximale Schneehöhe beträgt nur rund 5m (vgl. 2011 maximal ca. 10m). Über den ganzen Gletscher gesehen liegen etwa 5m wenige Schnee als Ende Mai 2011. Besonders auffallend auch:

Der Schnee ist ausgesprochen weich (auch in tieferen Schichten). Dies ist darauf zurückzuführen, dass es sich bei einem Großteil der Schneedecke noch um den Frühjahrsschnee aus dem April handelt.

Am Wandfuß liegt ausgesprochen wenig Schnee. Hier "fehlen" auf einen durchschnittlichen Winter etwa 6m.
Am Wandfuß liegt ausgesprochen wenig Schnee. Hier "fehlen" auf einen durchschnittlichen Winter etwa 6m.

Die Schneebedeckung am 30.5.2012 entsprach über weiten Teilen des Gletschers jener vom 30.7.2011.

In den kommenden 4-5 Wochen ist ein weitgehendes Abschmelzen der Winterschneedecke zu erwarten. In den Hochsommermonaten Juli und August stehen dem Gletscher dann nur mehr die Firnrücklagen der letzten Jahre als Resvere zur Verfügung. Aufgrund der Schneearmut des Winters 2011/12 ist somit über den Sommer 2012 ein Massen- und auch Längenverlust zu erwarten.

Blick über die Gletscherzunge hinauf zur Kellerwand
Blick über die Gletscherzunge hinauf zur Kellerwand
Die Wetterstation steht trotz Windspitzen von bis zu 140km/h noch immer gerade.
Die Wetterstation steht trotz Windspitzen von bis zu 140km/h noch immer gerade.