Der Eiskargletscher

Begehung am 30.7.2011

Der Juli 2011, ein Monat voller Gegensätze. Zu Monatsbeginn sorgt sommerliche "Hitze" am Eiskargletscher für starke Schneeschmelze. Dem gegenüber steht eine deutlich zu kühle zweite Monatshälfte, in welcher es sogar zu rund 10 bis 15cm Neuschnee kam. In Summe ergibt sich zum ersten Mal seit dem Jahr 2000 ein leicht unterdurchschnittliches Monatsmittel der Temperatur!

 

Aussehen des Gletschers am 30.7.2011:

Der erste Blick ins Eiskar ist durchaus zufriedenstellend. Weite Teile des Gletschers liegen unter einer Altschneedecke (Schnee vom Winter 2010/11) nur an einer kleinen Stelle im Bereich des Eisscheitels tritt Firn (Schnee, welcher bereits mindestens einen Sommer überstanden hat) zu Tage. Die schuttbedeckten Rücken im östlichen Gletscherteil sind, wie erwartet, schneefrei. Der Eispegel im östlichen Gletscherlappen ist bereits ebenfalls schneefrei, bisher ergab sich aber keine Änderung im Vergleich zum Septemberwert aus dem letzten Jahr (2010).

Blick von Osten über den Gletscher
Blick von Osten über den Gletscher

Die Schneehöhen im östlichen Gletscherteil sind aber nur mehr gering und liegen bei max. 2m. In einer tiefen Gletschersenke am Moränenfuß tritt an einer weiteren Stelle etwas Firn zu Tag.

 

Am Eisscheitel liegt etwas weniger Schnee als in den Vorjahren. Am Fuß der Hauptmoräne beginnt der Firn auszuapern, nur wenige Meter nach Süden Richtung Wandfuß beträgt die Schneehöhe jedoch noch bis zu 5m. Bei der Sondierung der Schneehöhe konnten wir, wie schon bei den letzten Malen, in unterschiedlichen Tiefen einige extrem dichte und harte Schichten feststellen.

Blick über den Eisscheitel nach Osten, hier liegt etwas weniger Schnee als in den Vorjahren
Blick über den Eisscheitel nach Osten, hier liegt etwas weniger Schnee als in den Vorjahren

Der höchstgelegene Gletscherteil präsentiert sich in gutem Zustand. Die Schneehöhen erreichen abseits der Schuttrücken noch bis zu 5m. Am Wandfuß liegt das aktuelle Schneeniveau etwa 1,5m unter jenem aus dem Vergleichszeitraum des Jahres 2009. Der große zentrale Lawinenkegel ist deutlich breiter als Anfang August 2010. Weiter nach Westen im Bereich des Zungenansatzes liegt eine ebenfalls mehrere Meter mächtige Schneedecke auf der kompakten Firnschicht der Vorjahre.

Der höchste Punkt des Gletschers präsentiert sich deutlich breiter als zur selben Zeit im letzten Jahr
Der höchste Punkt des Gletschers präsentiert sich deutlich breiter als zur selben Zeit im letzten Jahr

In der Gletscherzunge kamen die "Auswirkungen" des kühlen Juli 2011 deutlich zum Tragen. Lag die Schneehöhe Ende Juni 2011 noch etwa 1m unter den Vergleichswerten aus dem Jahr 2010, so hat sich der Spieß im Juli umgedreht und aktuell liegt um etwa 1m mehr Schnee als Anfang August 2010. Während letztes Jahr um die selbe Zeit am unteren Ende der Zunge bereits Firn zum Vorschein kam, liegt heuer hier noch eine kompakte bis zu 4,5m mächtige Altschneedecke.

Blick hinunter in die Gletscherzunge
Blick hinunter in die Gletscherzunge
Der Blick vom tiefsten Punkt des Gletschers über die Zunge hinauf zum höchsten Punkt
Der Blick vom tiefsten Punkt des Gletschers über die Zunge hinauf zum höchsten Punkt

In Summe bietet der Eiskargletscher am 30.7.2011 das Bild eines "gesunden" Gletschers. Abgesehen von den großen Schuttrücken sind weite Teile des Gletschers mit Altschnee bedeckt und nur an 2 Stellen kommt etwas Firn zum Vorschein. Blankeis ist nirgends zu sehen. Der Schneerückgang seit 29.6.2011 beträgt zwischen 1,5 und 3m.

 

In den letzten 3 Jahren zeigt sich die "Ernährung" des Gletschers ganz deutlich. Während der westliche Teil, auf welchen Lawinen niedergehen, einen Massegewinn verzeichnen konnte, nimmt im östliche Gletscherlappen die Masse aufgrund fehlender Lawinentätigkeit etwas ab. Über das ganze Eiskar gesehen, überwiegt in den letzten 3 Jahren aber der Massenzuwachs ein wenig.

 

Sofern der August 2011 nicht extrem warm ausfällt, dürfte auch im Haushaltsjahr 2010/11 eine stellenweise noch bis zu 3m mächtige Altschneedecke überdauern. Aktuell zeichnet sich für das diesjährige Haushaltsjahr kein Längen- bzw. Massenverlust ab.