Das Eiskar

Begehung am 6.7.2014

Zum 2. Mal im Jahr 2014 ging es hinauf zum südlichsten Gletscher Österreichs. Mit im Gepäck war wieder eine 14m lange Lawinensonde, um die Schneehöhe am Gletscher zu eruieren.

Die ersten Messungen am 3. Juni hatten ja eine maximale Schneehöhe von knapp über 13m ergeben.

Der Juni 2014 brachte bereits zu Pfingsten (um den 8.6.2014) eine außergewöhnliche Hitzewelle. Die folgenden Wochen verliefen aber im Bereich des langjährigen Durchschnitts. In Summe ergab sich eine leicht überdurchschnittliche Monatsmitteltemperatur.
Bereits die ersten Sondierungen am 6. Juli im östlichen Gletscherlappen zeigten, dass in den vergangenen 30 Tagen die Schneehöhe "nur" um etwa 2m abgenommen hatte. Besonders interessant wurde es dann in den schneereichen Gebieten des Zungenansatzes und der Gletscherzunge. Am Zungenansatz wurden knapp über 11m gemessen und beim Messpunkt in der Gletscherzunge, wo am 3. Juni 7,5m Schnee lagen, stießen wir in knapp über 5m Tiefe auf eine extrem harte Schicht. Mit viel Kraftaufwand und mehrmaligem Probieren stellte sich aber heraus, dass es sich um eine dünne Eisschicht und nicht den Firnhorizont handelte. Nach Durchstoßen dieser Schicht versenkten wir die Lawinensonde auf ihrer kompletten Länge von 14m! Auch am Wandfuß unter dem zentralen Lawinenkegel konnten wir die massive Eisschicht in 6m Tiefe durchstoßen und die Sonde komplett versenken.

Blick von Osten über den Gletscher
Blick von Osten über den Gletscher

Bis auf wenige große Felsblöcke ist der Gletscher noch komplett mit Altschnee bedeckt. Die minimale Schneehöhe tritt im Bereich der großen schuttbedeckten Rücken auf, wo "nur" mehr 1 bis 3m Schnee liegen.

Vom Zungenansatz bis zum Ende der Gletscherzunge beträgt die Schneehöhe 11 bis über 14m. Im Bereich des Eisscheitels liegen etwas mehr als 6m.

Die aktuelle Schneegrenze an den umliegenden Felswänden entspricht etwa dem Stand von Anfang Juli 2009 und 2010. Besonders im Bereich des Wandfußes, wo der Gletscher im Sommer 2012 deutlich an Masse verloren hat, ist dies bemerkenswert. Deutlich zeigt sich der Schneereichtum im Bereich des zentralen Lawinenkegels, an dessen Fuß teils noch über 14m Schnee liegen!

Blick von der Moräne nach Süden zum höchsten Punkt des Gletschers (zentraler Lawinenkegel), im Vordergrund sind ganz klein zwei Personen zu erkennen (links und rechts)
Blick von der Moräne nach Süden zum höchsten Punkt des Gletschers (zentraler Lawinenkegel), im Vordergrund sind ganz klein zwei Personen zu erkennen (links und rechts)

In den nächsten Wochen ist natürlich eine weitere kräftige Schneeschmelze zu erwarten, gerade im Bereich des Wandfußes sowie vom Zungenansatz bis zum Ende der Gletscherzunge sollten aber doch großflächige und teils mehrere Meter mächtige Schneefelder überdauern.

Auffallend an diesem 6.7.2014 war wieder einmal einer der Gunstmomente des Eiskars: Trotz der relativ hohen Lufttemperatur von etwa 11°C hielt sich der Schmelzprozess tagsüber in Grenzen, da der Gletscher den ganzen Tag über im Schatten von Quellwolken lag, welche sich über dem Collinkofel gebildet hatten.

Blick durch den Trog der Gletscherzunge nach Süden zum Wandfuß
Blick durch den Trog der Gletscherzunge nach Süden zum Wandfuß