Das Eiskar

Begehung am 9.6.2013

Witterungsübersicht 2012/13

Der Winter beginnt in den Karnischen Alpen früh. Schon im Oktober kommt es zu den ersten nennenswerten Schneefällen und in den letzten Oktobertagen schneit es ergiebig. Die ersten Novemberhälfte verläuft sehr niederschlagsreich, wobei die Schneefallgrenze vorübergehend bis auf 2800m ansteigt. Mitte November liegt im Eiskar eine ausgesprochen kompakte aber nur wenige Dezimeter starke Schneedecke. Die nächsten ergiebigen Schneefälle treten in den Karnischen Alpen Ende November bzw. Anfang Dezember auf. Selbst am exponiert gelegenen Schneepegel, welcher am höchsten Punkt der Moräne steht, steigt die Schneehöhe auf über 100cm.

In den kommenden Wochen bis Mitte Jänner fallen im Eiskar nur wenige Zentimeter Neuschnee und Anfang Jänner ist es vorübergehend nochmals ausgesprochen mild mit leicht positiven Temperaturen.

Ab dem 13.1.2013 kommt es zu Schneefällen. Zwischen 13. und 22. Jänner fallen über 100cm Neuschnee, die Gesamtschneehöhe am Schneepegel steigt auf fast 150cm. Im restlichen Jänner sowie Anfang Feber schneit es nur wenig, ehe ein Tief am 11.2.2013 wieder fast 50cm Neuschnee bringt. Mitte Feber liegt die Schneehöhe auf der Moräne bei rund 140cm, am Gletscher kann man von weit über 2m Schnee ausgehen. Ende Feber fallen im Eiskar neuerlich rund 50cm Neuschnee und die Schneehöhe steigt auf 180cm.

Der März beginnt vergleichsweise mild und bis zur Monatsmitte kommen etwa 20-30cm Neuschnee dazu, die Gesamtschneehöhe steigt aber nicht weiter an und liegt meist zwischen 150 und 180cm. Im Laufe des 18.3.2013 schneit es im Eiskar intensiv und am Schneepegel erreicht die Schneehöhe ihr Wintermaximum von fast 210cm. Unmittelbar nach den Schneefällen sorgt aber kräftiger Nordwind für massive Schneeverfrachtungen. Der weitere März verläuft winterlich kalt und zu Monatsende schneit es nochmals ein wenig, der Nordwind verfrachtet den Schnee aber unmittelbar nach Niederschlagsende.

Der April beginnt ausgesprochen kalt und bis zu einem leichten Schneefallereignis am 12. des Monats liegt die Schneehöhe auf der Moräne bei 140cm. Danach beginnen die Temperaturen markant zu steigen und erreichen schon am 15. April fast 10°C. Erst am 20. April sinken die Temperaturen wieder gegen 0°C und es schneit ein paar Zentimeter. Nach dieser kurzen Kältephasen steigen die Temperaturen vorübergehend wieder an und erst eine Kaltfront am 27.4.2013 bringt zunächst Regen und dann Schneefall im Eiskar. Ende April liegen am Schneepegel rund 75cm Schnee udn eine markante Wärmephase in der ersten Maiwoche sorgt für kräftige Schneeschmelze. Erst ab dem 10. Mai wird der Abwärtstrend gestoppt. Während die Niederschlagsereignisse zur Monatsmitte im Eiskar einen Wechsel aus Regen und Schnee bringen, sorgt ein Italientief am 24. des Monats für knapp 1m Neuschnee.

Ab Ende Mai setzt dann eine deutliche Milderung ein, sodass am Schneepegel 5. Juni 2013 der letzte WInterschnee abgeschmolzen ist.

 

In Summe betrachtet brachte der Winter 2012/13 durchschnittliche Neuschneemengen, die ergiebigen Maischneefälle sind jedoch außergewöhnlich! Am Dobratsch wurden in den letzten 30 Jahren keine vergleichbaren Neuschneemengen im Mai gemessen.

9.6.2013: Der Blick vom Gailtal zur noch winterlichen Kellerwand
9.6.2013: Der Blick vom Gailtal zur noch winterlichen Kellerwand
9.6.2013: Der erste Eindruck ist zufriedenstellend. Fast die gesamte Möräne ist noch mit Schnee bedeckt.
9.6.2013: Der erste Eindruck ist zufriedenstellend. Fast die gesamte Möräne ist noch mit Schnee bedeckt.
9.6.2013: An den nach Süden geneigten Moränenhängen tritt bereits wieder der Saharastaub zu Tage, am Gletscher selbst liegen aber noch über 30cm Maischnee.
9.6.2013: An den nach Süden geneigten Moränenhängen tritt bereits wieder der Saharastaub zu Tage, am Gletscher selbst liegen aber noch über 30cm Maischnee.

Der Schnee im Hochwinter 2012/13 ist durchwegs in pulvriger Form gefallen und von der umrahmenden Felswand auf den Gletscher gerieselt. Große Lawinen wie im Winter 2010/11 waren heuer die Ausnahme.

Dies zeigt sich ganz deutlich im Bereich des Eisscheitels. Hier ergaben die Auswertungen der Schneehöhensondierungen im Juni 2013 eine mittlere Schneehöhe von 6,5m, Ende Mai 2011 waren es 8,5m.

9.6.2013: Der Blick zum höchsten Punkt des Gletschers
9.6.2013: Der Blick zum höchsten Punkt des Gletschers

Das Gletscherhaushaltsjahr 2011/12 hat stark an den Rücklagen der Vorjahre sowie an der Eissubstanz gezehrt. Obwohl aktuell zum Beispiel am Wandfuß laut Schneesondierungen nur wenige Dezimeter weniger Schnee liegen (Schneehöhe 5,6m) als im Frühjahr 2011 (5,9m), liegt die Schneegrenze an der Felswand mehr als 2m unter dem Wert vom 26.5.2011. Man kann also davon ausgehen, dass im Sommer 2012 die Eisoberfläche in diesem Bereich um fast 2m eingesunken ist.

Der Blick vom Zungenende nach Süden zur Oberen Kellerwand. Nach der starken Schmelze im Sommer 2012 ist der Trog der Gletscherzunge deutlich tiefer als in den Vorjahren
Der Blick vom Zungenende nach Süden zur Oberen Kellerwand. Nach der starken Schmelze im Sommer 2012 ist der Trog der Gletscherzunge deutlich tiefer als in den Vorjahren

Die größte Schneehöhe wurde am 9.6.2013 übrigens an einer eher untypischen Stelle knapp oberhalb des Zungenansatzes mit 9,7m gemessen.

Im Vergleich zum Jahr 2012 liegen aktuell im Mittel am Gletscher um 3m mehr Schnee.