Gletschermessung 7.9.2011

Das Gletscherhaushaltsjahr 2010/11:

 

Das Gletscherhaushaltsjahr war durch zwei deutlich von einander getrennte Perioden gekennzeichnet.Die Zeit von Oktober bis Anfang Jänner war sehr gletscherfreundlich, die restlichen Monate, der Juli ausgenommen, waren gletscherabträglich.

 

Nach einem ersten Schneetief Mitte Oktober kommt es zum Monatswechsel zu ergiebigen Schnee- bzw. Regenfällen im Eiskar. Binnen 48h fallen über 160mm Niederschlag, wobei die Schneefallgrenze zunächst um 2000m später über 2500m liegt. Durch den unmittelbar auf den Schneefall folgenden Regen wird die Schneedecke durchnässt und es gehen große Lawinen auf den Gletscher nieder. Im weiteren Verlauf des Novembers kommt es zu einem Wechselspiel von Schneefall und Regen. Auf 50cm Neuschnee am 8. d.M. sorgt ein Italientief zur Monatsmitte für intensive Niederschläge, die Schneefallgrenze liegt in diesem Fall lange Zeit oberhalb des Eiskargletschers. In der letzten Novemberdekade kommt es noch zwei Mal zu ergiebigen Schneefällen, so dass zu Monatsende eine mächtige und kompakte Schneedecke im Eiskar liegt. Der Dezember startet mit rund 50cm Neuschnee, welche am Beginn einer zweiwöchigen Kälteperiode fallen. Kurz vor Weihnachten dreht die Strömung auf Süd und ein mächtiges Tief steuert feuchte Luft gegen die Südalpen. Bei einer 0°C- Grenze zwischen 2000m und 2500m kommt es am Gletscher zu einem Wechsel von Regen und Schneefall, die Neuschneemengen liegen zwischen 50 und 100cm. Nach einer kurzen Kältephase schneit es um den 10. Jänner 2011 nochmals rund 25cm, danach kommt es für einen Monat zu keinen ergiebigen Schneefällen mehr.

 

Anfang Feber wird es sehr mild, die 0°C- Grenze steigt auf über 3000m. Erst in der zweiten Feberhälft kommt es wieder zu nennenswerten Neuschneemengen am Eiskargletscher. Der März bringt zunächst etwas Neuschnee und um die Monatsmitte sorgt eine Südwestströmung für die letzten ergiebigen Schneefälle der Wintersaison 2010/11. Binnen 3 Tagen fallen etwa 90cm Neuschnee. Der April verläuft dann ausgesprochen mild und fast neuschneelos. Mit einer Temperaturabweichung von 4°C über dem Mittel 1971-2000 zählt der April 2011 zu den wärmsten seit Beginn der Messungen. Nach dem außergewöhnlich warmen April liegen auch im Mai die Temperaturen über den vieljährigen Mittelwerten, trotzdem sorgen zwei Kaltfronten im Laufe des Monats nochmals für etwas Neuschnee am Gletscher. In Summe überwiegen aber auch in diesem Monat die Schmelzprozesse.

 

Der Juni 2011 ist zwar nicht extrem warm, ergiebige Schneefälle bleiben aber im Eiskar aus. Nur knapp nach Monatsmitte sorgt eine Kaltfront für etwas Hagel bzw. Schnee. Die Schneehöhensondierungen sprechen mit einem Rückgang der Schneehöhe um 2 bis 5m/Monat eine eindeutige Sprache. Im Vergleich zum Juli 2010 ist jener des Jahres 2011 nicht extrem heiß, sondern liegt sogar leicht unter den Durchschnittswerten. Knapp nach Monatsende sorgt eine Kaltfront auch für einige Zentimeter Neuschnee im Eiskar. Mit 1,5- max. 3m Schneerückgang liegen diese Werte deutlich unter den Vergleichswerten der Vorjahre.

Im August schließlich verhält es sich genau gegenläufig. Schmolzen im August 2010 nur etwa 1,5m ab, so sind es im selben Monat des Jahres 2011 3 bis 4,5m! Hauptgrund für diese kräftige Schneeschmelze ist eine Hitzewelle in der zweiten Monatshälfte.

Der September 2011 bringt in der ersten Monatshälfte überdurchschnittliche Temperaturen und keinen Neuschnee im Eiskar, wodurch die Schneeschmelze weiter anhält. 

Unterwegs am Wandfuss
Unterwegs am Wandfuss
Aus einer gewissen Entfernung erkennt man erst die Größenordnung: Die zwei kleinen roten Kreise markieren die beiden Personen, welche am oberen Bild am Wandfuß unterwegs sind.
Aus einer gewissen Entfernung erkennt man erst die Größenordnung: Die zwei kleinen roten Kreise markieren die beiden Personen, welche am oberen Bild am Wandfuß unterwegs sind.

Aussehen des Gletschers am Messtag (7.9.2011):

Im östlichen Gletscherteil ist der gesamte Altschnee abgeschmolzen und es finden sich nur mehr wenige Flächen mit Firn. Die großen Schuttrücken sind komplett schnee- bzw. firnfrei. Der westliche Gletscherteil ist hingegen noch fast komplett mit Altschnee bzw. Firn bedeckt. Am Eisscheitel apert am Gletscherrand bzw. im Gletschervorfeld der Firn der Vorjahre aus. Am Zungenansatz sowie an einzelnen Stellen in der Gletscherzunge tritt ebenfalls Firn zu Tage. Im unteresten Zungenabschnitt sowie entlang des Wandfußes sind weite Teile des Gletschers mit Altschnee bedeckt, welcher jedoch meist nur mehr 0,5 bis 2,5m mächtig ist. In Summe ist die Bedeckung mit Altschnee etwas größer als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

Allgemein hinterlässt der Eiskargletscher auch im Jahr 2011 einen positiven Eindruck. An keiner Stelle tritt Blankeis zu Tage und besonders in den höheren Gletscherregionen sowie teilweise in der Gletscherzunge konnte sich der Altschnee halten. Somit liegt jetzt stellenweise eine bereits 4 Jahre alte Firnschicht am Eis.

Blick von Osten über den östlichen Teil des Eiskargletschers
Blick von Osten über den östlichen Teil des Eiskargletschers

Messergebnisse:

Am 7.9.2011 lagen bis auf eine Messmarke im östlichen, schuttbedeckten Gletscherteil alle Messpunkte unter Altschnee bzw. Firn. An der schneefreien Messmarke konnte der Eisrand unter einer rund 25cm mächtigen Schuttschicht eruiert werden. Der Rückgang im Vergleich zu 2010 betrug an dieser Stelle 0,8m.

Von den drei im Oktober 2008 gebohrten Eispegeln, war im September 2011 nur jener im schuttbedeckten Ostteil schneefrei. Der Einsinkbetrag an dieser Stelle, welcher ausschließlich auf den heißen August zurückzuführen war, lag im Gletscherhaushaltsjahr 2010/11 bei 45cm. Seit Oktober 2008 ist die Gletscheroberfläche an dieser Stelle somit 1m eingesunken.

Die Sondierungen der Schneehöhe ergaben eine maximale Altschneemächtigkeit von 3m. Seit der ersten Sondierung Ende Mai 2011 hat die Schneehöhe am Gletscher um bis zu 10m abgenommen.

In den westlichen Gletscherteilen sowie am Wandfuß konnte im abgelaufenen Jahr ein leichter Massengewinn verzeichnet werden. Im östlichen kaum von Lawinen ernäherten Gletscherabschnitt war ein leichter Massenverlust festzustellen.

Gletscherverhalten:

stationär

Der Blick zum höchsten Gletscherteil. Im Vordergrund ist der Eisscheitel zu sehen, wo man anhand der Färbung sehr schön die einzelnen Firnschichten erkennen kann
Der Blick zum höchsten Gletscherteil. Im Vordergrund ist der Eisscheitel zu sehen, wo man anhand der Färbung sehr schön die einzelnen Firnschichten erkennen kann
Blick von Westen über den Eisscheitel, rechts im Bild der Wandfuß. Anhand der Färbung ist wieder der Unterschied Schnee (hell) und Firn (2008/09 dunkelgrau; 2009/10 hellgrau) gut ersichtlich
Blick von Westen über den Eisscheitel, rechts im Bild der Wandfuß. Anhand der Färbung ist wieder der Unterschied Schnee (hell) und Firn (2008/09 dunkelgrau; 2009/10 hellgrau) gut ersichtlich
Die Gletscherzunge mit Blickrichtung zum Wandfuß. Seit mittlerweile 4 Jahren ist diese sehr gut mit Schnee bzw. Firn gefüllt.
Die Gletscherzunge mit Blickrichtung zum Wandfuß. Seit mittlerweile 4 Jahren ist diese sehr gut mit Schnee bzw. Firn gefüllt.