Gletschermessung 6.9.2015

Gletscherhaushaltsjahr 2014/15

Nach dem ausgesprochen gletschergünstigen Haushaltsjahr 2013/14 kehrte sich das Bild in diesem Jahr komplett um!

Der Winter 2014/15 stand ein wenig im Zeichen der großen vergebenen Chance. Nach dem sehr guten Haushaltsjahr 2013/14 hätte ein darauffolgend schneereicher Winter am Eiskargletscher für die nächsten Jahre eine nachhaltige Entspannung bringen können. Und fast hätte dieser Winter auch mit einem Paukenschlag begonnen. Nachdem es bis Anfang November nur rund 20cm Neuschnee gegeben hatte, sorgte eine anhaltende Südwestlage ab dem 4.11.2014 für extreme Niederschläge im Plöckengebiet. Innerhalb weniger Tage summierten sich rund 700mm Niederschlag auf. Zu Beginn lag die Schneefallgrenze auch noch um 2000m, im Laufe des Niederschlagsereignisses wurde es aber immer milder, sodass die Schneefallgrenze bis auf 2700m anstieg. In Summe fielen von den 700mm Niederschlag im Eiskar etwa 100mm in Form von Schnee. Wäre es nur um 2 bis 3°C kühler gewesen, das Eiskar wäre unter einer meterdicken Schneedecke begraben gewesen.

Bereits Mitte November kam es aber schon zum nächsten ergiebigen Regen und Schneefall, wobei ein Großteil der 100mm Niederschlag in Form von Schnee fiel. Auch Anfang Dezember schneite es im Zuge von zwei Tiefdruckpassagen im Eiskar rund 50 bzw. 75cm, sodass die Schneelage mit Mitte Dezember als zufriedenstellend bezeichnet werden konnte.

Bis Mitte Jänner blieben dann nennenswerte Niederschläge aus, ehe es rund 1m schneite. Nach diesem Schneefall kam es bis Ende März zu keinem ergiebigen Schneefallereignis mehr. Nur hin und wieder schneite es einige Zentimeter, welche mit darauffolgendem Nordwind aber bald aus dem Eiskar verfrachtet wurden.

Ende März schneite es dann rund 50cm, bis Ende April blieben weitere Schneefälle neuerlich aus und auch kurz vor Monatsende reichte es nur für etwa 30cm Neuschnee.

Im Mai setzte sich das niederschlagsarme Wetter zunächst weiter fort. Zur Monatsmitte stellte sich die Wetterlage aber nachhaltig um. Zunächst schüttete es im Eiskar gewitterdurchsetzt etwa 90mm, ehe der Regen in Schnee überging und noch gut 20 bis 25cm Neuschnee zusammenkamen. Um den 22. Mai 2015 gab es dann im Eiskar nochmals rund 35cm Neuschnee, wobei anzumerken ist, dass solche Neuschneemenge Ende Mai in den Karnischen Alpen eher ungewöhnlich sind. Die kühle und relativ schneereiche Witterungsphase hat dafür gesorgt, dass Ende Mai die Schmelzperiode für 1 Woche unterbrochen wurde.

Der Juni brachte dann gleich zu Monatsbeginn die erste Hitzeperiode des Sommers. Nach einer etwas kühleren Phase zu Monatsende lagen die Temperaturen im Juli fast ausschließlich deutlich über dem langjährigen Mittel. Dazu war die Luftfeuchtigkeit relativ hoch, wodurch die Schneeschmelze zusätzlich beschleunigt wurde. Schon Ende Juli waren praktisch alle Rücklagen des Winters 2014/15 abgeschmolzen. Im östlichen Gletscherteil kam es bereits zu anhaltender Eisschmelze und auch die Firnrücklagen wurden teilweise schon angegriffen.

Nach einer nur kurzen kühlen Phase zum Monatswechsel auf den August brachte auch dieser wieder anhaltend überdurchschnittliche Temperaturen, wenngleich die Luftfeuchtigkeit deutlich geringer war als im Juli. Erst am 5. September kühlte es mit einer Kaltfront nachhaltig ab und es fielen sogar einige Zentimeter Neuschnee.

In Summe zählte das Gletscherhaushaltsjahr 2014/15 zusammen mit den Jahren 2011/12 und 2002/03 zu den gletscherabträglichsten der letzten Jahrzehnte.

Blick von Osten über den frisch angezuckerten Gletscher. Unter dem Neuschnee zeichnen sich die großen schuttbedecken Eisrücken ab.
Blick von Osten über den frisch angezuckerten Gletscher. Unter dem Neuschnee zeichnen sich die großen schuttbedecken Eisrücken ab.
Blick von Westen über den Eisscheitel
Blick von Westen über den Eisscheitel

Aussehen des Gletschers am Messtag (6.9.2015)

Am 5.9.2015 fielen im Zuge einer Kaltfront im Eiskar 5-10cm Neuschnee, welcher am Messtag noch den gesamten Gletscher bedeckte.

Anhand von Luftbildern vom 28.8.2015 lässt sich aber die Firnverteilung am Gletscher trotzdem gut abschätzen. Die gesamte Gletscherzunge ist noch breit mit Firn bedeckt, ebenso der Ansatz der Gletscherzunge. Zusätzlich zieht sich entlang des Wandfußes Firn in unterschiedlicher Breite bis in den östlichen Gletscherteil. Am Eisscheitel tritt etwas Blankeis zu Tage. Die mächtigen Schuttrücken sind durchwegs schneefrei und bis auf wenige Ausnahmen am Wandfuß finden sich auch im gesamten östlichen Gletscherteil keine Firnrücklagen. Altschnee vom Winter 2014/15 gibt es nur an einer einzigen Stelle am Wandfuß.

Besonders im Bereich östlich des Eisscheitels zeigt der Gletscher wieder deutliche Zerfallserscheinungen. Vom Eisscheitel nach Westen erweckt das Eiskar hingegen weiterhin den Eindruck eines "gesunden" Gletschers. Der markante zentrale Lawinenkegel am Wandfuß ist von mehreren teils breiten Firnspalten durchzogen, welche einen Rückschluss auf die hier vorherrschende Dynamik der letzten Jahre zulassen.

Blick vom Eisscheitel zum höchsten Punkt des Gletschers, welcher von ein paar Firnspalten durchzogen ist
Blick vom Eisscheitel zum höchsten Punkt des Gletschers, welcher von ein paar Firnspalten durchzogen ist

Messergebnisse

Nach der deutlich positiven Massenbilanz des Vorjahres (2014) verzeichnet der Eiskargletscher im Jahr 2015 wieder einen markanten Masseverlust. Im östlichen Gletscherteil sind bis auf wenige Ausnahmen alle Firnrücklagen abgeschmolzen. Im Bereich des Eisscheitels ist der Firn des Jahres 2013/14 ebenfalls komplett verschwunden und auch im unteren Bereich der Gletscherzunge ist der gesamte Schnee des Winters 2013/14 wieder abgeschmolzen. Darunter tritt nun Firn aus den Jahren 2008 bis 2013 zu Tage. Am Zungenansatz sowie im Bereich des westlichen Wandfußes finden sich noch großflächige Firnrücklagen des vergangenen Jahres. Im Vergleich zum Herbst 2014 sind über den Gletscher gesehen verbreitet 4m Firn abgeschmolzen.

Am Eispegel im östlichen schuttbedeckten Teil betrug der Einsinkbetrag rund 55cm, im Bereich des Eisscheitels sind am Eispegel rund 90cm Eis abgeschmolzen. Über den gesamten Gletscher gesehen ist davon auszugehen, dass die negative Bilanz des Jahre 2014/15 die markant positive des Jahres 2013/14 aufwiegt.

An den Messstellen für die Längenänderung des Gletschers konnten zum ersten Mal seit Jahren wieder  sowohl alle Marken am Eisscheitel als auch jene am Ende der Gletscherzunge - und dort auch der Eisrand -  eindeutig lokalisiert werden. Dies liegt jedoch daran, dass sich die teils nun schon 7 Jahre alten Firnrücklagen bereits zu Eis umgewandelt haben. Damit konnte gezeigt werden, dass die Umwandlung von Altschnee zu Gletschereis im Eiskar nicht in 10-15 Jahren (wie an höher gelegenen Alpengletschern üblich) sondern schon binnen 5 bis 10 Jahren vor sich geht!

Der neue Eisrand liegt im Bereich des Eisscheitels im Mittel um etwa 5m, am Zungenende um etwa 20m vor dem Eisrand von 2007. An der Messmarke im Ostlappen konnte der Eisrand nicht eindeutig bestimmt werden und an der Marke S07 im Bereich der Felsschwelle war der Eisrand von Firn bedeckt.

Damit ist der Eiskargketscher bezüglich seiner Längenausdehnung seit 2007 gewachsen, im Vergleich zum errechneten Eisrand des Jahres 2014 ergibt sich aber für das heurige Jahr ein Rückzug.

Die Gletscherzunge hat zwar im Vergleich zu den Vorjahren deutlich an Masse verloren, trotzdem liegt hier aber aktuell mehr Eis als noch im Herbst 2007
Die Gletscherzunge hat zwar im Vergleich zu den Vorjahren deutlich an Masse verloren, trotzdem liegt hier aber aktuell mehr Eis als noch im Herbst 2007