Gletschermessung am 3.9.2016

Das Gletscherhaushaltsjahr 2015/16 am Eiskargletscher

Der Winter in den Südalpen begann gletscherfreundlich. Bereits in der zweiten Septemberhälfte kam es zu den ersten nennenswerten Schneefällen im Eiskar. In weiterer Folge blieb es bis zum 23. Oktober fast durchwegs unterdurchschnittlich temperiert und Mitte Oktober schneite es in den Karnischen Alpen neuerlich, sodass die Einwinterung zu diesem Zeitpunkt im Eiskar bereits in vollem Gange war.

In weiterer Folge kam es jedoch zum wärmsten Frühwinter seit Messbeginn. Bereits der November verlief überdurchschnittlich warm und der Dezember brachte schließlich eine Temperaturabweichung von fast 7°C über dem langjährigen Mittel. Aufgrund der schattigen Lage kam es zwar zu keinen nennenswerten Schmelzprozessen im Eiskar, neben den extrem hohen Temperaturen fiel aber auch kein Niederschlag. Erst im Laufe des Jänners 2016 sorgten Italientiefs für die ersten nennenswerten Niederschläge nach mehr als 2 Monaten Trockenheit. Die Schneelage war zu diesem Zeitpunkt im Eiskar extrem schlecht. Erst im Laufe des Febers schneite es in den Karnischen Alpen wiederholt und zum Teil auch kräftig, sodass selbst am Plöckenpass bis Anfang März die Schneehöhe auf knapp 2m anstieg. Ab dem 10. März blieb es in den Karnischen Alpen aber bis zum 26. April neuerlich fast komplett trocken und sehr mild, ehe ein Kaltlufteinbruch am 27.4.2016 für etwa 60-70cm Neuschnee im Eiskar sorgte. Die kommenden 30 Tage verliefen in den Südalpen relativ kalt und unbeständig. Immer wieder kam es zu Niederschlägen, wobei die Schneefallgrenze zwischen 1500 und 2500 pendelte. Erst in der letzten Maiwoche sorgte eine Wärmephase wieder für nennenswerte Schneeschmelze.

Der Juni verlief in bezug auf die Temperaturen über weite Strecken recht unspektakulär. Erst zu Monatsende kam es zu einer ersten Hitzewelle des Sommers mit feucht-schwüler Luft und dadurch kräftiger Schneeschmelze.

Bis Mitte Juli hielt diese warme Phase an, ehe eine kräftige Kaltfront vorübergehend etwas Abkühlung brachte. Nach einer kurzen kühlen Phase lagen die Temperaturen bis zum Monatsende aber neuerlich fast ausschließlich über dem Mittel.

Der August begann tendenziell kühl und um den 10. des Monats wurde das Eiskar im oberen Bereich sogar ein wenig angezuckert. Für nennenswerten Neuschnee reichte es aber nicht. Zu Monatsende baute sich dann eine milde und stabile Wetterphase auf, welche mit einer kurzen Unterbrechung bis Mitte Spetember anhielt. Aufgrund ausgesprochen milder Nächte kam es in dieser Zeit zu für die Jahreszeit untypisch kräftiger und anhaltender Schneeschmelze.

In Summe brachte der Sommer neuerlich deutlich überdurchschnittliche Temperaturen und auch viel Niederschlag. Durch das feucht-milde Wetter kam es zu anhaltend kräftiger Schnee- und Eisschmelze, welche auch nach dem Messtermin am 3.9.2016 noch weiter anhielt.

Temperaturabweichungen am Dobratsch im Jahr 2016. Kalte Phasen (blau) traten auch in diesem Sommer wieder nur in geringen kurzfristig auf. Der graue Strich am Ende stellt den 13.9.2016 dar.
Temperaturabweichungen am Dobratsch im Jahr 2016. Kalte Phasen (blau) traten auch in diesem Sommer wieder nur in geringen kurzfristig auf. Der graue Strich am Ende stellt den 13.9.2016 dar.
Der Blick von Osten in das schuttbedeckte Eiskar. Selbst am schattigen Wandfuß hat de facto kein Schnee aus dem Winter 2015/16 den Sommer 2016 überdauert.
Der Blick von Osten in das schuttbedeckte Eiskar. Selbst am schattigen Wandfuß hat de facto kein Schnee aus dem Winter 2015/16 den Sommer 2016 überdauert.

Aussehen des Gletschers am Messtag:

Der Eiskargletscher war am Messtag praktisch frei von Altschnee. Die letzten wenigen Schneereste am Wandfuß sind in den Tagen nach der Messung auch noch abgeschmolzen. Der östliche Gletscherteil war fast durchgehend mit Schutt bedeckt und auch im Bereich des Eisscheitels nahm die Schuttbedeckung weiter zu. Firn bzw. Blankeis fand sich in diesem Bereich nur wenig, der Eisrand konnte aber deutlich festgestellt werden.

Der Wandfuß war noch fast durchgehend mit Firn bedeckt, wobei auch dieser teilweise unter einer frischen Schuttschicht lag. Sowohl am Fuße des zentralen Lawinenkegels als auch etwas weiter westlich gab es zwei Gletscherspalten.

Die Gletscherzunge war noch großflächig mit Firn bedeckt, wobei am unteren Ende wie schon im Vorjahr der Firn aus dem Winter 2008/09 zum Vorschein kam.

In Summe bot sich am Messtag eher ein tristes und graues Bild am südlichsten Gletscher Österreichs.

Im Moment sind etwa 63% des Gletschers mit Schutt und 32% mit Firn bedeckt. Nur auf ca. 5% der Gletscherfläche tritt Blankeis zu Tage.

Der zentrale Lawinenkegel (höchster Punkt des Gletschers). Knapp links der Bildmitte ist ansatzweise die Gletscherspalte als Querriss im Schutt zu erkennen.
Der zentrale Lawinenkegel (höchster Punkt des Gletschers). Knapp links der Bildmitte ist ansatzweise die Gletscherspalte als Querriss im Schutt zu erkennen.
Blick über den Ansatz der Gletscherzunge zum Eisscheitel. Der graue Firn unterscheidet sich in der Farbe kaum von der Schuttbedeckung.
Blick über den Ansatz der Gletscherzunge zum Eisscheitel. Der graue Firn unterscheidet sich in der Farbe kaum von der Schuttbedeckung.

Messergebnisse:

Die relativ geringe Winterschneedecke und der milde Sommer haben wie erwartet wieder zu einem nennenswerten Gletscherrückgang geführt. Alle 8 Messmarken konnten nachgemessen werden und in Summe ergab sich ein deutlicher Längenrückgang. Spannend ist aber die Tatsache, dass an einer der Messmarken am Eisscheitel ein geringer Vorstoß gemessen werden konnte. Dies ist ein Zeichen dafür, dass die großen Schneemengen der Winter 2008/09 und 2013/14 wieder zu einer verstärkten Fließbewegung des Eiskargletschers geführt haben.

An zwei der insgesamt drei existierenden Eispegel war der Gletscher frei von Firn. Der Einsinkbetrag der Eisoberfläche im östlichen schuttbedeckten Gletscherlappen betrug seit September 2015 80cm, am Eisscheitel waren es 65cm.

In der Zunge sind rund 1,5m Firn abgeschmolzen.

Nach den sieben fetten Jahre (2008-2014) befindet sich der Gletscher nun seit 2 Jahren wieder im Rückzugsstadium. Die aktuelle Eisausdehnung entspricht über den gesamten Gletscher gesehen  etwa jener des Jahres 2007. Die Eisoberfläche ist aber im östlichen Gletscherteil seither um rund 4,5m eingesunken, am Eisscheitel hat die Eisdicke um etwa 2,7m abgenommen. Im westlichen Teil sowie in der Gletscherzunge liegt aktuell hingegen mehr Eis als 2007.

Die Gletscherzunge ist noch gut mit Firn bedeckt, im Sommer 2016 schmolzen hier aber rund 1,5m Firn ab.
Die Gletscherzunge ist noch gut mit Firn bedeckt, im Sommer 2016 schmolzen hier aber rund 1,5m Firn ab.