Eiskargletschermessung 9.9.2017

Das Gletscherhaushaltsjahr am Eiskargletscher 2016/17

Gleich vorab, das Haushaltsjahr 2016/17 war eines der, wenn nicht sogar das gletscherabträglichste der letzten 25 Jahre.

Wie schon in den letzten beiden Wintenr blieben auch im Winter 2016/17 die Niederschlagsmengen unter den langjährigen Mittelwerten.

Nach einem kalten Oktober, welcher auch die ersten Zentimeter Neuschnee im Eiskar brachte, kam es auch im November trotz leicht überdurchschnittlicher Temperaturen noch zu etwas Neuschnee am Eiskargletscher. Die Novemberniederschläge blieben in den westlichen Karnischen Alpen aber bereits unter den langjährigen Durchschnittswerten. In Summe konnte sich bis zum Beginn des klimatologischen Winterbeginns am 1. Dezember am Gletscher jedoch eine wenige Dezimeter mächtige Schneedecke bilden. Wie bereits der Dezember 2015 blieb auch der letzte Monat des Jahres 2016 praktisch niederschlagsfrei. Zu Beginn des Jahres 2017 setzte sich die Trockenheit im südlichen Oberkärnten weiter fort.

Erst im Feber entsprachen die Niederschlagsmengen dem langjährigen Mittel. Aber schon im ausgesprochen milden März setzte sich die Trockenheit in den Karnischen Alpen weiter fort und in der zweiten Monatshälfte setzte selbst am Eiskar bereits leichtes Tauwetter ein. Erst Mitte April hatte die warme und trockene Witterungsphase ein Ende. Die im Tal teils schadensbringenden Kaltlufteinbrüche unterbrachen die bereits begonnene Schneeschmelze am Eiskargletscher und kurz vor Monatsende kam es schließlich zu den ersten und einzigen sehr ergiebigen Schneefällen der Wintersaison 2016/17. Binnen 48h wurden an der benachbarten Station Plöckenhaus über 200mm Niederschlag gemessen. Der Großteil davon fiel im Eiskar in Form von Schnee. Nach diesem Schneefallereignis blieb es noch einige Tage kalt, ehe die Temperaturen wieder über die langjährigen Mittelwerte anstiegen. Weiterer Neuschnee blieb im Mai im Eiskar aus.

Ende Mai bzw. Anfang Juni sorgte dann eine feucht-warme Witterungsphase für die erste kräftige Schneeschmelze am südlichsten Gletscher Österreichs.

Der Sommer brachte dann fast ohne größere Unterbrechungen milde Temperaturen bei relativ hoher Luftfeuchtigkeit. Dadurch kam es zu anhaltender Schnee-, Firn- und Eisschmelze.

Erst mit Beginn des meteorologischens Herbstes (1. September) kühlte es nachhaltig ab und es kam bereits wiederholt zu Schneefällen, welche zwischenzeitlich sogar für eine rund 30cm dicke Schneedecke am Gletscher sorgten. Dadurch endete die Schmelzsaison so früh wie noch nie in den letzten 25 Jahren.

Blick von Osten ins graue Eiskar
Blick von Osten ins graue Eiskar

Aussehen des Gletschers am Messtag

Anfang September 2017 bot das Eiskar den Anblick eines zerfallenden Gletschers. Abgesehen von einzelnen ganz kleinen Neuschneeflecken war der Gletscher fast vollkommen frei von Firn- oder Schneerücklagen. Fast 90% des Eises sind von Schutt bedeckt. Im östlichen Gletscherabschnitt sowie in der Gletscherzunge ist jeweils ein neues Felsfenster ausgeapert. Die Gletscherzunge ist an ihrem Ansatz an der schmalsten Stelle nur mehr rund 5m breit und wird voraussichtlich im Jahr 2018 vom Hauptgletscher abreißen. Dies würde für das Eiskar einen Flächenverlust von rund 3 bis 4 ha bedeuten.

Das Neueis, welches sich seit 2008 am Eisscheitel, sowie am Wandfuß und auf der Gletscherzunge gebildet hatte, ist in den Sommern 2016 und 2017 fast komplett wieder abgeschmolzen. Mittlerweile ist die Fläche des Eiskargletschers wieder unter jene des Jahres 2007 geschrumpft.

Schneearme Winter, warme Sommer; die Folgen sehen so aus; das eigentliche Nährgebiet ist aper
Schneearme Winter, warme Sommer; die Folgen sehen so aus; das eigentliche Nährgebiet ist aper

Messergbenisse

Im September 2017 konnten alle 8 Messmarken nachgemessen werden und an allen Marken wurde ein eindeutiger Rückzug festgestellt, welcher zu den deutlichsten der 25-jährigen jährlichen Messgeschichte zählt.

Zum ersten Mal seit dem Oktober 2008 war auch der westlichste Eispegel wieder frei von Firn bzw. Eis und konnte dementsprechend nachgemessen werden. Der mittlere Eispegel war aufgrund der extrem starken Schneeschmelze im heurigen Sommer komplett ausgeapert und muss nächstes Jahr nachgebohrt werden. Der östliche im schuttbedeckten Teil stehende Eispegel wies den stärksten Rückgang seit der ersten Einbohrung im Herbst 2008 auf.

In Summe hat der Gletscher im Haushaltsjahr 2016/17 rund 1,8m an Eismächtigkeit verloren. Dies stellt den stärksten Massenverlust seit Beginn der Massenbilanzberechnung mit dem Haushaltsjahr 2008/09 dar.

Nur mehr 5m breit ist der Zungenansatz an der schmalsten Stelle. Blick von Westen über den Gletscher
Nur mehr 5m breit ist der Zungenansatz an der schmalsten Stelle. Blick von Westen über den Gletscher
Die Gletscherzunge wird nächstes Jahr vom Hauptgletscher abreißen, dann gibt es zwei Gletscherchen im Eiskar :-(
Die Gletscherzunge wird nächstes Jahr vom Hauptgletscher abreißen, dann gibt es zwei Gletscherchen im Eiskar :-(