Das Eiskar

Pegelservice 29.6.2015

Blick vom Tal zur Kellerwand mit dem Eiskargletscher
Blick vom Tal zur Kellerwand mit dem Eiskargletscher

Fast auf den Tag genau einen Monat nach unserer ersten Eiskarbegehung im Jahr 2015 waren wir wieder zum südlichsten Gletscher Österreichs unterwegs. Dieses Mal war wieder eine größere Gruppe an Gletscherknechten dabei. Ziel war es, den östlichsten der drei im Oktober 2008 gebohrten Eispegel zu erneuern. Damals wurde eine etwas mehr als 3m lange Plastikstange im Eis eingebohrt, welche mittlerweile fast komplett ausgeapert war. Dies beudetet, dass der Gletscher im östlichen schuttbedeckten Teil seit dem Herbst 2008 etwas mehr als 3m an Mächtigkeit verloren hat. Nach dem schneearmen Winter war der Eispegel bereits Ende Juni frei von Altschnee. Das Eis ist in diesem Bereich von einer etwa 30cm starken Schuttschicht bedeckt. Nachdem diese kleinräumig beseitigt worden war, konnte ohne Probleme mit Hilfe eines Dampfbohrers ein knapp über 4m tiefes Loch gebohrt werden, in welchem die neue 4,5m lange Pegelstange versenkt wurde.

Die anderen beiden Eispegel liegen noch unter Altschnee und Firn und stecken noch teils über 4m tief im Eis. Eine Erneuerung der Pegel war in diesem Bereich einerseits noch nicht möglich und andererseits auch nicht notwenig. So wurden nur noch  zwei neue Pegel im Altschnee bzw. Firn gebohrt um die Abschmelzung in diesem Sommer messen zu können.

Ein Teil der Gletscherknechte bei der Arbeit mit dem Dampfbohrer
Ein Teil der Gletscherknechte bei der Arbeit mit dem Dampfbohrer

Zusätzlich zur Pegelbohrung wurde natürlich auch wieder die Schneehöhe sondiert. Der Juni 2015 brachte nach einem sehr milden Beginn eine relativ kühle zweite Monatshälfte und wie nach dem schneearmen Winter 2014/15 zu erwarten war,lagen im östlichen Gletscherteil bereits große Flächen frei von Altschnee vor uns und örtlich zeigte sich auch schon der Firn vom Vorjahr.

Blick vom Osten ins Eiskar. Bei den dunklen Flächen handelt es sich um Firn vom Vorjahr.
Blick vom Osten ins Eiskar. Bei den dunklen Flächen handelt es sich um Firn vom Vorjahr.

Der Schneerückgang seit Ende Mai 2015 lag über den gesamten Gletscher gesehen im Bereich der letzten Jahre. Je nach Messpunkt waren es 2 bis maximal 3m. Neben dem östlichen Gletscherteil sind auch im Bereich des Eisscheitels sowie am unteren Ende der Gletscherzunge teils schon die gesamten Schneerücklagen des vergangenen Winters abgeschmolzen. Entlang des Wandfußeses sowie am Zungenansatz liegen aber noch recht verbreitet 2 bis 4m Altschnee.

Blick über den Eisscheitel zum höchsten Punkt des Gletschers
Blick über den Eisscheitel zum höchsten Punkt des Gletschers

Pro Sommermonat schmelzen im Eiskar etwa 2-3m Altschnee ab. Apert der Firn aus, reduziert sich dieser Wert auf etwa 2m und handelt es sich um blankes Gletschereis, dann muss man in einem heißen Sommermonat mit fast 1m Eisverlust rechnen. Im Ostteil des Eiskars ist im Laufe des restlichen Sommers damit zu rechnen, dass sämtlich Firnreserven des letzten Jahres sowie etwa 50 bis 80cm des schuttbedeckten Eises abschmelzen werden. Am Eisscheitel wird Anfang Juli der Firn flächig zum Vorschein kommen, bis in den Herbst werden hier großflächig etwa 4m Firn abschmelzen. Dies entspricht einem Großteil der Rücklagen aus dem letzten Jahr. Im oberen Teil der Gletscherzunge wird es bis August dauern, ehe der komplette Altschnee abgeschmolzen ist. Somit dürften in diesem Bereich einige der Firnrücklagen den Sommer 2015 überdauern.

Die Gletscherzunge mit den bereits ausgeaperten Firnreserven am unteren Zungenende
Die Gletscherzunge mit den bereits ausgeaperten Firnreserven am unteren Zungenende

Am Zungenansatz sowie entlang des Wandfußes könnte sich etwas Altschnee bis in den Herbst hinein halten.

In Summe ist aber im Haushaltsjahr 2014/15 (nicht zuletzt aufgrund des ausgesprochen warmen Juli) mit einem deutlichen Massenverlust zu rechnen. Trotzdem dürfte im Gegensatz zum Jahr 2012 nicht der Großteil der Firnreserven abschmelzen.

 

Mein großer Dank gilt an dieser Stelle allen Gletscherknechten, die mich auch bei dieser Aktion wieder unentgeltlich unterstützt haben! DANKE!