Montasch 2753m (Findeneggweg)

~1300 Höhenmeter (schwer)

5.10.2011

 

Von Tarvis aus folgt man der Straße Richtung Slowenien (Bovec). Beim Lago del Predil zweigt man nach rechts ab und folgt dem Straßenverlauf bis auf den Sella Nevea (1190m). Kurz nach der Passhöhe biegt man in einer scharfen Linkskurve abermals rechts ab und gelangt nach etwa 6km auf einer schmalen asphaltierten Bergstraße zur Pecol Alm (1502m), großer Parkplatz.

Vom Parkplatz weg wandert man zunächst auf einem Fahrweg nach Nordosten hinauf zum Rif. Brazza (1660m). Kurz vor der Hütte zweigt ein Wanderweg nach links (Nordwesten) ab, welchem man in meist nur leichter Steigung über die weiten Almwiesen bis zu einer Weggabel (~1860m) folgt. Hier kommt von links ein weiterer Wanderweg von der Pecol Alm herauf. Von nun an wird das Gelände etwas steiler, der stark frequentierte Wanderweg führt aber in meist angenehmer Steigung bis knapp unter die Forca dei Disteis (2201m). Für den Findeneggweg steigt man idealerweise gleich bis zur Scharte auf und wendet sich dort nach rechts (Osten) und steigt am Rande eines tiefen Grabens aufwärts. Zunächst ist der Untergrund angenehm zu gehen, in weiterer Folge müht man sich jedoch über loses Geröll höher, bis der mit roten Punkten markierte Steig nach links (Westen) wegzieht [~2250m) und das Einzugsgebiet des Grabens quert. Jetzt wird das Gelände etwas anspruchsvoller. Der Steig überwindet einige kleinere unversicherte Felsstufen, bei welchen man die Hände zu Hilfe nehmen muss. Schließlich gelangt der Bergsteiger so in die beeindruckende Westwand des Montasch, welche auf schmalen Bändern nach Norden Richtung Biwak Suringer (2430m) gequert wird. Einzelne Passagen dieser Querung sind mit einem Stahlseil versichert. Kurz vor dem Biwak zweigt der Findeneggweg nach rechts (Osten) ab, es empfiehlt sich aber einen kurzen Abstecher zum Biwak zu machen (5min, schöne Aussicht und guter Rastplatz). Der Weiterweg hinauf zum Gipfel führt dann über zahlreiche Felsstufen in eine Schlucht, wobei die Route mit roten Punkten und Strichen sowie Steinmännchen markiert ist. Die roten Markierungen sind jedoch teils verwaschen und somit schwer zu sehen (Stand Herbst 2011). In der Schlucht gilt es neuerlich einzelne steile Aufschwünge zu überwinden, wobei hier Kletterkenntnisse bis zum II. Schwierigkeitsgrad erforderlich sind, denn man findet keine Versicherungen vor. In der Aufstiegsroute liegen immer wieder lose Steine, was beim Steigen besondere Vorsicht verlangt. Nach knapp 250 Höhenmetern verlässt man die Schlucht und erreicht den markanten Westgrat des Montasch. Die letzten rund 50 bis 100 Höhenmeter legt der Bergsteiger unmittelbar auf diesem Grat zurück und erreicht so den breiten Gipfel.

Für den Abstieg überschreitet man den Montasch nach Osten und steigt in unmittelbarer Gratnähe bis in eine kleine Scharte ab (~2600m). Jetzt führen Stahlseile wenige Höhenmeter hinab bis zum Beginn der berühmt berüchtigten Scala Pipan (Pipan-Leiter). Mit Hilfe der Leiter überwindet man eine rund 70m hohe Felsstufe hinunter in ein Schuttkar. Die Leiter besteht aus Stahlseilen und querliegenden Stahlstiften und ist somit nicht starr. Bei starker Frequentierung muss man mit leichten Schwingungen der Leiter rechnen. Der weitere Abstieg erfolgt durch das Schuttkar zunächst nach rechts (Westen) und dann nach links (Osten), bis zu einer Weggabelung (~2400m) mit dem Leva-Steig, welcher zur Forca del Palone weiterführt. Nun steigt man wieder nach rechts (Westen) über mehrere Felsstufen ab, bis man ein großes Schuttfeld unter den Montaschsüdwänden erreicht. Bei einer Querung von diesem gelangt man wieder zur Forca dei Disteis und steigt über die Aufstiegsroute Richtung Alm ab. Schneller geht der Abstieg, indem man das Schuttfeld rund 150 bis 200 Höhenmeter abtritt. Am unteren Rand des Schuttfeldes führt ein Steiglein in wenigen Minuten wieder zum markierten Wanderweg. Beim weiteren Abstieg empfiehlt es sich dem breiten Steig hinunter zum Westrand der Pecol Alm, wo sich die Almkäserei befindet, zu folgen. Von der Käserei (im Sommer bewirtschaftet) wandert man in wenigen Minuten auf einer Asphaltstraße zurück zum Parkplatz.

 

Eine Tour auf den Montasch ist immer wieder ein Erlebnis. Die Aussicht vom Gipfel ist ein Traum und reicht bei klarer Sicht vom Großvenediger über den Dachstein zum Triglav und bis hin zur Oberen Adria. Egal welche Aufstiegsvariante man wählt (Findeneggweg oder Pipan-Leiter), ein Steinschlaghelm sowie für schwächere Personen ein Klettersteigset sollten bei der Ausrüstung nicht fehlen. Gerade im Hochsommer kann es auf der Leiter zu Verzögerungen kommen und bei „Gegenverkehr“ ist eine Selbstsicherung sehr angenehm. Schwindelfreiheit und Trittsicherheit sowie gute Kondition sind bei einer Montaschbesteigung Pflicht. Der Findeneggweg wird nicht so häufig begangen, hier gilt es, oberhalb des Biwaks die roten Markierungen nicht zu verlieren. Klettertechnische Sicherheit bis zum II. Schwierigkeitsgrad ist bei dieser Route eine Grundvoraussetzung. Aufgrund des steilen und ausgesetzten Geländes eignet sich der Findeneggweg nicht als Abstiegsvariante.

 

Bei der Käserei auf der Pecol Alm kann man eine Montaschtour würdig ausklingen lassen.

Der Montasch von der Pecol Alm aus
Der Montasch von der Pecol Alm aus
Forca dei Disteis, im Hintergrund (links) der Monte Cimone
Forca dei Disteis, im Hintergrund (links) der Monte Cimone
Bei der Querung in der Montaschwestwand
Bei der Querung in der Montaschwestwand
Beim Biwak Suringar, im Hintergrund das Naßfeld mit dem Trog- und Roßkofel links und dem Gartnerkofel rechts
Beim Biwak Suringar, im Hintergrund das Naßfeld mit dem Trog- und Roßkofel links und dem Gartnerkofel rechts
Aufstieg zur Schlucht
Aufstieg zur Schlucht
Durch diese Schlucht geht es aufwärts
Durch diese Schlucht geht es aufwärts
Am Grat geht es teils sehr ausgesetzt die letzten Meter zum Gipfel
Am Grat geht es teils sehr ausgesetzt die letzten Meter zum Gipfel
Nochmals der Blick zurück über den Westgrat, im Hintergrund die Karnischen Alpen
Nochmals der Blick zurück über den Westgrat, im Hintergrund die Karnischen Alpen
Vom Gipfel aus der Blick nach Nordwesten, welcher bis zum Großvenediger oder dem Großglockner reicht
Vom Gipfel aus der Blick nach Nordwesten, welcher bis zum Großvenediger oder dem Großglockner reicht
Die sonst so weiße Hochalmspitze erscheint Anfang Oktober fast nur mehr grau
Die sonst so weiße Hochalmspitze erscheint Anfang Oktober fast nur mehr grau
Am Gipfel mit dem Wischberg im Hintergrund
Am Gipfel mit dem Wischberg im Hintergrund
Im Süden zeigt sich der Kaninzug und tief unter uns die große Pecol Alm
Im Süden zeigt sich der Kaninzug und tief unter uns die große Pecol Alm
Fast 1000m unter dem Montasch liegt der kleine Jof di Sompdogna (links der Bildmitte), beim Fotopunkt endet übrigens die Nordwandroute
Fast 1000m unter dem Montasch liegt der kleine Jof di Sompdogna (links der Bildmitte), beim Fotopunkt endet übrigens die Nordwandroute
Der beeindruckende Blick in die Nabois-Westschlucht, eine der spannendsten Schitouren in den Südalpen
Der beeindruckende Blick in die Nabois-Westschlucht, eine der spannendsten Schitouren in den Südalpen
Die Leiter ist erreicht
Die Leiter ist erreicht
Ein etwas mystischer Blick zurück hinauf entlang der Scala Pipan
Ein etwas mystischer Blick zurück hinauf entlang der Scala Pipan
Im Kar unter der Leiter mit dem Blick zurück hinauf zum Gipfel (links der Bildmitte)
Im Kar unter der Leiter mit dem Blick zurück hinauf zum Gipfel (links der Bildmitte)
Zurück auf der Alm nochmals der herrliche Blick aufs gegenüberliegende Kaninmassiv
Zurück auf der Alm nochmals der herrliche Blick aufs gegenüberliegende Kaninmassiv