Der Eiskargletscher

Einfach eine Faszination!

Alles über den südlichsten Gletscher Österreichs:

Der Eiskargletscher, Österreichs südlichster Gletscher, liegt in den Karnischen Alpen eingebettet in einem Kar der Kellerwand zwischen 2115m und 2370m Seehöhe. Die schattige Lage, große Niederschlagsmengen in fester Form im Winterhalbjahr sowie große Lawinen, die aus der Kellerwand auf den Gletscher niedergehen, sind die Gunstmomente des Eiskars und tragen dazu bei, dass sich dieser Gletscher so lange in solch geringer Höhe halten konnte.

 

Seit 1992 ist das Eiskar Teil des Gletschermessprogramms des ÖAV und wird seither jährlich in Bezug auf die Längenänderung vermessen.

Der Gletscher ist rund 16ha groß, zeigt aber in Folge schneearmer Winter und heißer Sommer bis 2007 starke Zerfallserscheinungen. Nach den teils noch schneereichen 1980ern überdauerte in den 1990ern kaum Schnee am Gletscher, wodurch eine Phase rasanter Gletscherschmelze eingeläutet wurde, welche bis zum Jahr 2007 andauerte. In den Jahren 2008-2014 kam es dank teils extrem schneereicher Winter aber zu einer Stagnation bzw. sogar zu einem kleinen Vorstoß im Längenverhalten des Gletschers. Die folgenden Jahre brachten jedoch wieder einen Gletscherrückgang.

 

Aus den vergangenen 24 Jahren stechen manche Jahre positiv hervor, so konnte das Verhalten des Gletschers in den Haushaltsjahren 2000/01, 2003/04 und 2007/08, 2008/09, 2009/10 sowie 2010/11 als stationär bezeichnet werden und in den Jahren 2012, 2013  und 2014 konnten wegen Schneebedeckung an den Marken überhaupt keine Messungen durchgeführt werden. Das Haushaltsjahr 2015 war leider sehr schlecht, dadurch schmolzen aber jüngere Firnreserven ab und ältere aus den Jahren 2008 und 2009 traten zum Vorschein, Diese haben sich in den letzten sieben Jahren bereits zu Eis umgewandelt. Dadurch konnte am Eiskargletscher zum ersten Mal seit den jährlichen Messungen (1992) ein Vorstoß gemessen werden.

In den letzten acht Jahren hat sich auch eine Zweiteilung des Gletschers in einen aktiven (vorstoßenden) westlichen (mächtige Lawinenablagerungen) und passiven (rückschmelzenden) westlichen Gletscherteil ergeben (keine Lawinenablagerungen).

Es bleibt also abzuwarten, wie sich der Gletscher in den kommenden Jahren verhalten wird.

Der letzte Gletschervorstoß vor 2014 bzw. 2015 wurde im Eiskar Ende der 1970er Jahre gemessen. Damals wurden die sporadischen Messungen noch von Lehrenden der Universität Graz durchgeführt.

Die folgenden Bilder stammen von einer Begehung am 30. bzw. 31. Mai 2004:

Kurze Schiabfahrt über den Eiskargletscher
Kurze Schiabfahrt über den Eiskargletscher
Der östliche Teil des Eiskars
Der östliche Teil des Eiskars
Morgenstimmung
Morgenstimmung

Über eine kleine Klettertour ging es  am 31.05.2004 auf den so genannten Kunzkopf (2298m), von wo aus man einen sehr schönen Blick hinunter auf die Gletscherzunge hat.

Blick vom Kunzkopf hinunter auf das Eiskar. Im Jahr 2004 lag der Schnee Ende Mai in diesem Teil des Gletschers noch bis 14m hoch
Blick vom Kunzkopf hinunter auf das Eiskar. Im Jahr 2004 lag der Schnee Ende Mai in diesem Teil des Gletschers noch bis 14m hoch

Im September 2004 war der gesamte Gletscher mit Altschnee bedeckt, leider ließ der Winter 2004/ 05 wieder total aus. Kaum Herbstschneefälle, starker Wind und ein sehr trockenes Frühjahr sorgten dafür, dass beinahe die gesamte Firnbedeckung vom vorangegangenen Jahr abschmolz und der Gletscher  bei der Messung im September 2005 einen traurigen Anblick bot.

Ein Bild vom Eiskargletscher:  der östliche Teil des Gletschers am 7.9.2005
Ein Bild vom Eiskargletscher: der östliche Teil des Gletschers am 7.9.2005

Die Haushaltsjahre 2005/06 und 2006/07 brachten deutliche Massen- und Längenverluste. Umso erfreulicher waren die darauffolgenden vier Jahre; im Herbst 2008 waren die Zunge sowie Teile des Eisscheitels mit Altschnee bedeckt. Im Herbst 2009 zeigten sich am Gletscher keine Blankeisstellen und in der Zunge sowie am Eisscheitel lag eine dicke Altschneedecke über der Firnschicht des Vorjahres. Auch am Wandfuß überdauerte eine bis zu 5m mächtige Altschneedecke auf einem dünnen Firnsaum.

Im Herbst 2010 war bei der Messung Anfang September kein Blankeis zu sehen. Die Ausdehung der Schnee- bzw. Firnbedeckung blieb aber etwas unter jener von 2009 zurück, was nicht zuletzt auf den ausgesprochen heißen Juli sowie das schneearme Frühjahr zurückzuführen war.

Die Messungen im September 2011 zeigten ein ähnliches Bild wie im Jahr davor. Während im Bereich des Eisscheitels jedoch markant weniger Schnee lag als im Herbst 2010, konnte sich in den eigentlichen Nährbereichen des Gletschers mehr Altschnee halten.

Nach dem schlechten Jahr 2012 war die Situation im Herbst 2013 wieder zufriendenstellend und der Winter 2013/14 sorgte schließlich für das positivste Jahr seit Beginn der jährlichen Messung 1992.

Der Eiskargletscher am 4.9.2010, im Vergleich zum Jahr 2005 ist kein nennenswerter Massenunterschied erkennbar. Die Schneebedeckung im Jahr 2010 war aber deutlich besser!
Der Eiskargletscher am 4.9.2010, im Vergleich zum Jahr 2005 ist kein nennenswerter Massenunterschied erkennbar. Die Schneebedeckung im Jahr 2010 war aber deutlich besser!

Die starke Schuttbedeckung (sowie die Hoffnung auf schneereiche Winter) ist die letzte Rettung für dieses Kleinod. In den Hohlräumen zwischen den Steinen hält sich kalte Luft und kühlt somit die Oberfläche des Gletschers.

 

Wie lange das Eiskar noch den Status eines Gletscher beibehalten kann, wird die Zukunft weisen.

Im Jahr 2007 war der Ansatz der Gletscherzunge nur mehr rund 25m und im Herbst 2012 nur mehr 19,5m breit und ein Abreißen der Zunge wäre wohl der endgültige Anfang vom Ende für diesen Kargletscher. In den Jahren 2008-2016 konnte sich im Bereich oberhalb des Zungenansatzes aber eine Firnschicht bilden, welche das Abreißen der Gletscherzunge zumindest vorübergehend verhindert hat. Nach dem äußerst gletscherabträglichen Jahr 2017 wird es aber aller Voraussicht nach im Sommer 2018 zu einem Abreißen der Gletscherzunge kommen.

Eis wird es im eisigen Kar in der Kellerwand aber noch viele Jahre geben, denn wie die ersten Auswertungen einer Eisdickenmessung im Juli 2010 zeigen, beträgt die Eisdecke noch verbreitet 25 bis 30m, an den dicksten Stellen sind es sogar knapp 40m.