Spitzkofel 2717m, Lienzer Dolomiten

~1700 Höhenmeter (schwer)

23.8.2011

 

Von Lienz aus folgt man zunächst der B100 ins Pustertal, bis kurz nach Leisach eine Straße nach rechts auf die andere Drauseite abzweigt. Nach der Brücke kurz links und dann nach rechts hinauf über eine zunächst asphaltierte, später geschotterte Bergstraße bis zu den beiden Parkplätzen kurz vor Klammbrückl (~1100m).

Nun geht es zu Fuß zum Klammbrückl, einer beeindruckenden 33m tiefen Schlucht, über welche eben das Klammbrückl führt. Man bleibt aber auf der rechten Talseite und wandert am Forstweg, dem Hinweisschild Kerschbaumeralm folgend, talein. Schon nach wenigen Minuten kann man die Forststraße mittels eines markierten Steiges etwas abkürzen. Dann geht es wieder- auf der Straße bleibend- talein bis zu einer Bachquerung. Die gemütliche Route führt hier gerade aus und wird im Zuge des Abstiegs beschrieben. Kurz vor der Bachquerung zweigt aber nach rechts ein Steiglein „nur für die härtesten unter der Sonne“ ab. Auf den Spuren der Dolomitenmänner geht es auf einem alten Jägersteig sehr steil durch den Wald aufwärts, wobei eine kurze Passage mit Hilfe einer Holzleiter überwunden wird. Im weiteren Verlauf wird das Gelände etwas flacher und der Aufstieg somit etwas gemütlicher. Nach der Überwindung einer baumfreien Steilstufe wandert man nun bereits gemütlich vorbei an einer idyllisch gelegenen Jagdhütte ins wunderschöne Hallebachtal. Über freie Almwiesen geht es nun auf immer schlechter werdenden Steigspuren Richtung Kühbodentörl. Am hinteren (südwestlichen) Rand des schönen Almbodens hält man sich dann rechts (Nordwesten) und steigt ohne nennenswerte Steigspuren die sanft geneigten Hänge an und erreicht so den schon von Weitem im Schuttfeld sichtbaren und nach rechts querenden Wanderweg (~2400m). Jetzt geht es auf diesem durch ein steiles Schuttfeld nach rechts (Nordosten) aufwärts, bis der Steig in etwa 2500m wieder nach links zum Beginn einer Rinne zieht. Von nun an wird der Steig alpiner und schon im unteren Teil der mit losen Steinen durchsetzten Rinne muss man das ein oder andere Mal die Hände zu Hilfe nehmen. Nach einer kurzen Holztreppe zieht der Steig nach rechts weg. Im weiteren Verlauf handelt es sich um einen einfachen Klettersteig (A/B), wobei die meisten Passagen mit Stahlseilen versichert sind. In mehreren „Serpentinen“ geht es durch den Felsen aufwärts, ehe man über eine Querung die Linderhütte (2683m, Biwak) erreicht. Der Gipfel scheint jetzt schon zum Greifen nahe. Zunächst zieht der Steig aber an Stahlseilen gesichert nochmals schattseitig hinunter in einen Sattel (~2630m) und dann die letzten fast 100 Höhenmeter in der Südostflanke zum Gipfel. Dieser letzte Anstieg ist ebenfalls teilweise versichert, es gilt aber vorsichtig zu steigen, da viel loses Geröll im Bereich des Steiges liegt.

Für den Abstieg geht es zu Beginn hinunter in die kleine Scharte und zurück hinauf zur Linderhütte. Dann im Sinne der Aufstiegsroute zurück hinunter bis zum großen Schuttfeld. Die weite Kehre in diesem kann man durch Abtreten etwas abkürzen. Wer nicht über das Hallebachtal sondern über die Kerschbaumeralm absteigt, bleibt in weiterer Folge aber am Weg und wandert knapp unterm Kühbodentörl vorbei zum Hallebachtörl (2399m). Jetzt geht es über die schönen Wiesen der Kerschbaumer Alm nach Osten hin abwärts, bis man die Kerschbaumeralm Schutzhütte (1902m) erreicht. Für den weiteren Abstieg wählt der Wanderer den breiten und markierten Steig talwärts (Wegweiser Klammbrückl). Dieser führt hinunter zu einem kleinen Bach, überquert diesen und folgt ihm dann auf der linken (westlichen) Bachseite talaus. Nach einem schönen Almgatter geht es über eine Steilstufe abwärts, wobei man beim Blick zurück die kleine Schlucht des Klapffalls sieht. Am markierten Wanderweg bleibend gelangt man schließlich in der Nähe der Talstation der Materialseilbahnstation auf einen Forstweg. Auf diesem geht es nun weiter Richtung Klammbrückl (Norden), wobei zwei weite Kehren des Fahrwegs auf einem Steig abgekürzt werden. Schließlich gelangt man wieder zur Bachquerung, wo der „Dolomitenmannsteig“ abzweigt und wandert auf bekannter Route zurück zum Parkplatz.

 

Der Aufstieg über das Hallebachtal im Sinne der Dolomitenmannrunde ist wahrlich nicht ganz ohne. Die ersten knapp 400 Höhenmeter sind sehr steil und überaus kräftezehrend. Der obere Teil ist aber ein landschaftlicher Hochgenuss. Wer jedoch im Sommer beim Aufstieg zu spät dran ist, den bestraft die Sonne, welche dem Wanderer hier gnadenlos auf den Rücken scheint. Spätestens bei der Querung im großen Schuttfeld zahlt sich ein früher Aufbruch oder die Durchführung der Wanderung an einem kühleren Tag aus. Die letzten rund 200 Höhenmeter führen durch felsiges Gelände. Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind hier von Vorteil. Für schwächere Wanderer empfiehlt sich ein Klettersteigset. Konditionsschwache Alpinisten sollten diese Tour aber nicht an einem Tag machen, denn die ca. 1700 Höhenmeter, welche sowohl im Auf- als auch im Abstieg zurückzulegen sind, als auch die weite Wegstrecke erfordern große körperliche Fitness.

Landschaftlich ist die hier beschriebene Tour wunderschön. „Obwohl“ man sich in den schroffen Lienzer Dolomiten bewegt, verläuft der Auf- bzw. Abstieg lange Zeit in grüner Umgebung. Vom Gipfel aus bietet sich schließlich ein traumhaftes Panorama, welches vom Venediger über den Glockner bis zu den Karnischen Alpen reicht.

Klammbrückl
Klammbrückl
Im Spätsommer wird die Strecke durchs Hallebachtal für den Dolomitenmann markiert
Im Spätsommer wird die Strecke durchs Hallebachtal für den Dolomitenmann markiert
Leiter im steilen Anstiegsteil
Leiter im steilen Anstiegsteil
Das herrliche Hallebachtal
Das herrliche Hallebachtal
Blick über die Almböden zum Kühbodentörl. Der Weiterweg führt zunächst Richtung Kühbodentörl, zieht dann aber nach rechts weg.
Blick über die Almböden zum Kühbodentörl. Der Weiterweg führt zunächst Richtung Kühbodentörl, zieht dann aber nach rechts weg.
Im großen Schuttfeld beim Aufstieg Richtung Spitzkofel wächst der Gelbe Alpenmohn
Im großen Schuttfeld beim Aufstieg Richtung Spitzkofel wächst der Gelbe Alpenmohn
Der Blick zurück hinunter auf den Almboden. Links im Bild das Hallebachtörl, man kann sogar den Steig erkennen, welcher durch die großen Schuttfelder zieht.
Der Blick zurück hinunter auf den Almboden. Links im Bild das Hallebachtörl, man kann sogar den Steig erkennen, welcher durch die großen Schuttfelder zieht.
Am Beginn des felsigen Teils, die mit Geröll durchsetzte Rinne
Am Beginn des felsigen Teils, die mit Geröll durchsetzte Rinne
Versicherte Passage
Versicherte Passage
Der Blick von der Linderhütte zum nahen Gipfel
Der Blick von der Linderhütte zum nahen Gipfel
Am Ziel angekommen bietet sich ein herrlicher Rundumblick. Im Süden zeigen sich die Karnischen Alpen
Am Ziel angekommen bietet sich ein herrlicher Rundumblick. Im Süden zeigen sich die Karnischen Alpen
Im Norden kann man in der diesigen Luft am Horizont den Großvenediger erkennen.
Im Norden kann man in der diesigen Luft am Horizont den Großvenediger erkennen.
Meine Wenigkeit mit dem Großglockner (links) und der Schobergruppe mit dem Petzeck (rechts)
Meine Wenigkeit mit dem Großglockner (links) und der Schobergruppe mit dem Petzeck (rechts)
Neben zahlreichen anderen Gipfel zeigen sich hier die Große Sandspitze und der Seekofel, Erinnerungen an eine gewaltige Schitour werden wach
Neben zahlreichen anderen Gipfel zeigen sich hier die Große Sandspitze und der Seekofel, Erinnerungen an eine gewaltige Schitour werden wach
Kurze Pause beim Abstieg bei der Linderhütte, im Herbst ein Traumplatzerl, im Hochsommer doch sehr heiß
Kurze Pause beim Abstieg bei der Linderhütte, im Herbst ein Traumplatzerl, im Hochsommer doch sehr heiß
Schon beim Hallebachtörl der Blick zurück zum Spitzkofel
Schon beim Hallebachtörl der Blick zurück zum Spitzkofel
Abstieg über die Kerschbaumeralm
Abstieg über die Kerschbaumeralm
Die Kerschbaumeralm Schutzhütte
Die Kerschbaumeralm Schutzhütte
Am Bach entlang geht es talwärts
Am Bach entlang geht es talwärts
Das schöne Almgatter
Das schöne Almgatter