Gletschermessung 4.9.2010

Das Gletscherhaushaltsjahr 2009/10

 

Der September 2009 verläuft in den Südalpen feucht, bringt aber nur wenige Zentimeter Neuschnee. Im kühlen und trockenen Oktober fällt nur wenig Neuschnee, erst Anfang November sorgt wiederholte Tiefdrucktätigkeit über dem Mittelmeer für teils ergiebige Schneefälle im Eiskar. Die zweite und dritte Novemberdekade verlaufen dann aber wieder trocken und warm. Erst in den letzten beiden November- sowie in den ersten Dezembertagen kommt es wieder zu intensiven Niederschlägen südlich des Alpenhauptkamms. Innerhalb weniger Tage fallen im Gebiet rund um die Kellerwand fast 300 Liter/m², wobei die Schneefallgrenze zwischen 1500 und 2500m pendelt. Im Zuge dieser Regen- und Schneefälle kommt es zur Ausbildung einer kompakten Schneedecke. Der Dezember bringt dann um die Weihnachtszeit neuerlich kräftige Niederschläge in den Karnischen Alpen. Einmal mehr pendelt die Schneefallgrenze zwischen 1500 und 2500m. Mit Jahresende ist die Schneelage im Eiskar als zufriedenstellend einzustufen.

Das Jahr 2010 beginnt in Oberkärnten durchwegs trocken. Während es in der ersten Feberhälfte im Eiskar noch wiederholt zu Schneefällen kommt, sind es im März nur mehr zwei mäßige Schneefallereignisse, die für eine Zunahme der Schneedecke sorgen. Im warmen und trockenen April nimmt die Schneehöhe kaum mehr zu. Besonders in den ersten Maitagen kommt es zu Niederschlägen im Eiskar, wobei der Großteil in flüssiger Form fällt. Auch im restlichen Wonnemonat kommt kaum Neuschnee dazu. Im Gegenteil, die hohen Temperaturen in der zweiten Monatshälfte leiten kräftige Schneeschmelze ein.

Der Juni startet mit einer ersten Hitzewelle, starke Schneeschmelze im Eiskar ist die Folge. Nur mehr an einem Tag fallen im Eiskar wenige Zentimeter Neuschnee. Allgemein ist der Juni in Oberkärnten zu warm und dies setzt sich auch im Juli fort. Ausgesprochen warme Tag und milde Nächte setzen der Altschneedecke stark zu. Erst in den letzten Julitagen sorgt eine Kaltfront für Abkühlung. Der August verläuft dann in Bezug auf die Temperatur durchschnittlich, wobei besonders das Monatsende sehr kühl verläuft. Wie auch schon im letzten Jahr halten sich die Abschmelzbeträge im letzten Hochsommermonat in Grenzen. Nach bis zu 3,5m im Juli schmelzen im August „nur“ mehr 1- 1,5m der Altschnee- bzw. Firndecke ab. Am Eispegel im schuttbedeckten Teil des Gletschers beträgt der Einsinkbetrag im August 8cm, insgesamt ergibt sich somit für das Haushaltsjahr 2009/10 ein Einsinkbetrag der schuttbedeckten Eisfläche um rund 50cm.

 

Aussehen des Gletschers am Messtag (4.September 2010):

Zum zweiten Mal in Folge war Anfang September kein Blankeis am Gletscher zu sehen. Die großen schuttbedeckten Rücken sind schneefrei, der Bereich vom Eisscheitel hinauf zum Wandfuß sowie die gesamte Gletscherzunge sind jedoch komplett mit Schnee bzw. Firn bedeckt. Am 1.9.2010 sorgte eine Kaltfront für etwa 5cm Neuschnee, wovon noch Reste am Gletscher lagen. Durch die unterschiedliche Färbung des Schnees konnte man sehr gut zwischen Altschnee (Winter 2009/10) und Firn (Winter 2008/09) unterscheiden. Während am Eisscheitel sowie im oberen Bereich der Zunge viel Altschnee liegt, kommt in den tiefsten Gletscherbereichen sowie zwischen Eisscheitel und Wandfuß verbreitet der Firn zum Vorschein.

Allgemein hinterlässt das Eiskar Anfang September 2010 aber einen ausgesprochen positiven Eindruck. Die Schneehöhen liegen am Eisscheitel sowie in der Gletscherzunge verbreitet bei 3-5m, stellenweise sind es aber bis zu 7 oder gar 10m, genau Angaben sind leider nicht möglich.

Über den Sommer sind, ähnlich wie in den letzten Jahren bis zu 10m Schnee abgeschmolzen. Aufgrund der geringen Frühjahrsschneefälle sowie der warmen ersten Sommerhälfte kam in vielen Gletscherteil auch der Firn des Vorjahres zum Vorschein.

 

Messergebnisse:

Am 4.9.2010 war nur eine einzige Messmarke schneefrei, nämlich jene im östlichen Gletscherteil. Hier betrug die Längenänderung -0,2m. Alle weiteren Messmarken im Bereich des Eisscheitels sowie in der Gletscherzunge lagen unter Altschnee bzw. Firn.

Von den drei Eispegeln war nur jener im schuttbedeckten östlichen Gletscherteil schneefrei. Hier betrug der Einsinkbetrag im Haushaltsjahr 2009/10 50cm, wovon allein 42cm auf den heißen Juli entfielen.

Aus den Ergebnissen der Messungen 2009 und 2010 lässt sich feststellen, dass das Jahr 2008/09 eine deutlich positive Massenbilanz mit sich brachte. Im Jahr 2009/10 ist die Massenbilanz wieder leicht negativ, trotzdem kann sich besonders im westlichen Gletscherteil neuerlich sehr viel Altschnee und Firn halten. Im Schnitt liegt am Gletscher um etwa 1m weniger Schnee als im September 2009, nur am Eisscheitel sowie am Zungenansatz ist es etwas mehr als im Vergleichszeitraum des Vorjahres.

 

Gletscherverhalten:

stationär

 

Blick ins Eiskar am 4.9.2010, schön sind die unterschiedlichen Färbungen des Neu- bzw. Altschnees sowie des Firns zu erkennen
Blick ins Eiskar am 4.9.2010, schön sind die unterschiedlichen Färbungen des Neu- bzw. Altschnees sowie des Firns zu erkennen
Bei der neuen Wetterstation
Bei der neuen Wetterstation
Blick von der Moräne über den Eisscheitel zum Wandfuß, sehr gut sind Neuschnee (weiß), Altschnee (hellgrau) und Firn (dunkelgrau) anhand der unterschiedlichen Färbung zu erkennen
Blick von der Moräne über den Eisscheitel zum Wandfuß, sehr gut sind Neuschnee (weiß), Altschnee (hellgrau) und Firn (dunkelgrau) anhand der unterschiedlichen Färbung zu erkennen
Beim Wandfuß
Beim Wandfuß
Eishöhle am Wandfuß
Eishöhle am Wandfuß
Blick über die Gletscherzunge hinauf zum Wandfuß
Blick über die Gletscherzunge hinauf zum Wandfuß
Beim Eispegel im schuttbedeckten Gletscherteil
Beim Eispegel im schuttbedeckten Gletscherteil